Mail am mich! Eva-Maria H. - EIRESTAR EVA *NELLY*  04.09.01

 

Was ist nur mit mir los?? :((((

gestern nacht ging es los ... starke unruhe und angstzustände ... hab die nacht 1 1/2 stunden geschlafen, war 6h wieder wach und kann nicht mehr einschlafen, trotz schlaftabletten!!! habe tierische kopfschmerzen und mir ist so schlecht, dass ich nichts essen oder trinken kann .... circa 9h endlich schaffe ich es mir einen kaffee runterzuwürgen weil mein kreislauf im eimer ist... und die ganze zeit so eine angst ... aber vor was? ich hab doch nur therapie und termin bei meiner hausärztin heut und ich mag doch die beiden so gern ... hmm, egal, ich schnapp mir meinen hund und geh kurz vor die tür ... auf einmal riesige angst, wo kommt die her? ich weiß es nicht .... nein, ich werde mich heut nicht schminken, ich zitter zu sehr, das wird eh nichts ... nein, ich ziehe mich heute nicht schön an ... ich gehe in weiter regenjacke und weiter hose ... ich will nicht das mich jemand sieht, ich will überhaupt nicht das mich irgendjemand sieht ... geh zur s-bahn und mir wird immer übler ... speiübel ist mir inzwischen ... in der s-bahn ist nur noch ein platz frei ... scheisse ... egal ... ich muss mich hinsetzen sonst kipp ich um ... dann saß ich die 20 minuten bis zum hauptbahnhof zwischen drei alten fetten säcken die mich die ganze zeit angestarrt haben ... ich hab panik bekommen ... am ganzen körper wie espenlaub gezittert ... gegen die dissos gekämpft ... dann bin am hauptbahnhof ausgestiegen und mit u-bahn weiter ein paar stationen zur therapeutin ... muss noch bis zur therapeutin durchhalten denk ich mir ... nur noch panik ... zittern ... übelkeit und schwindelgefühle ... die menschen starren mich an ... warum machen die das? ja, ich weiß ich bin ein stück scheisse, es tut mir leid dass sie mein aussehen ertragen müssen, es tut mir leid das ich geboren bin ... dann komm ich endlich bei therapeutin an und die macht die tür nicht auf ... argh, ich will schreien aber will auch keine aufmerksamkeit erregen ... sacke vor der haustür in mich zusammen weil jetzt kann ich nicht mehr stehen ... soviel panik in mir ... warum macht sie mir nicht auf? ich fange an zu heulen und vergrabe mein gesicht in meiner regenjacke ... es gehen leute vorbei ... ich denke nur, bitte nicht ansprechen, bitte nicht ansprechen ... *puh* sie gehen vorbei und sagen nichts ... aber ich spüre ihre blicke, warum tun die leute sowas? warum glotzen die so bescheuert? jetzt reicht es mir, ich klingel sturm bei ihr und endlich macht sie die tür auf ... der erste kommentar: aber was ist denn mit ihnen los? wie sehen sie denn auf? ich entschuldige mich, sage frau therapeutin, es tut mir leid, ich wollte heut eigentlich gar nicht kommen ... tut mir leid das ich geboren bin, tut mir leid dass sie sich mit mir abgeben müssen, tut mir leid ... wir gehen in ihr zimmer und nun fragt sie was los ist mit mir ... ich sage ich kann nicht drüber reden, kann nicht kann nicht kann nicht .... wir sprechen über die rahmenbedingungen der therapie ... gut denk ich mir, brauch ich nicht über mich reden .... dann geh ich wieder zur u-bahn ... fang wieder an wie blöd zu zittern, hab panik ... alles schreit in mir ... ich will nach hause, will niemanden sehen, will nicht gesehen werden ... nein, ich will nicht .... doch die leute schaun ... argh ... ich will sterben, will einfach tod sein ... warum darf ich nicht einfach sterben?... scheiße ... bin wieder in der u-bahn und starr krampfhaft zum fenster ins dunkle des tunnels ... wieder alte fette säcke um mich herum ... ich halt das nicht aus, ich will das nicht, will weg hier ... klick ... auf einmal seh ich mich von außen in der u-bahn sitzen ... seh wie ich da sitze, zusammengekauert und zitternd und bleich vor angst und übelkeit ... waaahhh, ich halt das nicht aus ... dann bin noch einmal umgestiegen in eine andere u-bahn ... immer noch diese panik ... aber hier sind doch keine alten leute? nein, hier sind jugendliche und ich hab so angst vor gleichaltrigen ... ich weiß nicht was ich machen soll ... diese panik ... klick .... ich sehe mich wieder von außen, sehe meinen körper da in der u-bahn sitzen zwischen all den leuten die mich ansehen weil ich so zittere .... endlich bin ich da, endlich darf ich aussteigen aus der u-bahn ... bestimmt wird es mir gleich besser gehen denk ich, da ist ja der park ... den mag ich so gern ... gut, ich sehe keine menschen und beruhige mich ... hmm, warum fühl ich mich jetzt beobachtet? ich dreh mich rum und da läuft ein mann hinter mir mit einem mantel und einem hut so das ich sein gesicht nicht sehen kann ... panik ... meine alarmsirenen gehen an ... panik ... alles schreit in mir ... alles schreit mich an ich soll weglaufen ... nur weg von hier, lauf!!! ... ich kann mich nicht mehr bewegen vor panik, bin stocksteif ... erinnerungen kommen hoch .... ich muss weg hier, nein nein nein ... ich muss weg, weg!!!!! .... jetzt sind die erinnerungen da an einen spaziergang im wald vor 9 jahren ....klick .... hinter mir lief ein mann mit mantel und hut, genauso ein mann wie ich jetzt seh ... ich wollte wegrennen, aber ich konnte nicht, zu groß war die panik und überraschung, viel zu groß ... er zerrte mich in den wald und dort machte er alles mit mir was ihm einfiel ... alles, er steckte sachen in mich rein, alles einfach ... klick ... bin wieder in gegenwart, wo ist der mann?? er ist noch hinter mir ... ich halt das nicht aus ... klick ... ich seh mich wieder von außen ... ich schwebe über meinem körper ... sehe wie der mann vorbei geht und mich fragend ansieht ... ich kann mich nicht bewegen ... warum? ich muss weg hier ich hab angst!!!! ... jetzt seh ich den mann nicht mehr ... der scheiss körper lässt sich immer noch nicht bewegen .... klick ... bin wieder im körper ... nun kann ich mich wieder bewegen ... ich verkrieche mich hinter einem großen baum und kauer mich zusammen ... all die gefühle, die schmerzen und geräusche und gerüche kommen hoch von dem mißbrauch vor 9 jahren ... mir tut alles weh ... ich heule ... ich zittere ... ich weiß nicht mehr weiter ... nach einer halben ewigkeit ging ich weiter zur meiner hausärztin ... warum ist die scheiß ampel rot? scheiße ... ich will zu meiner ärztin!!! .... bin endlich in ihrer praxis ... ja und die sprechstundenhilfe fragt mich ... wie sehen sie denn aus? ... ich frage warum ... sie sagt ich seh aus als ob der teufel persönlich hinter mir her wäre ... hmm, toll, genau das habe ich jetzt gebraucht ... ich verschwinde wortlos ins wartezimmer .... zum glück ist das leer ... dann endlich kommt meine ärztin und auch sie fragt mich ... frau ***, wie sehen sie denn aus? ... argh!!!!!!!! ... ich sage nur ... entschuldigung frau doktor, tut mir leid das ich ihnen auf die nerven geh, nein frau doktor, ich möchte meine wunden am arm ihnen heute nicht zeigen ... nein frau doktor, meine narben am bein werd ich auch nicht zeigen und blutdruck wird erst recht nicht gemessen ... sie schaut mich entsetzt an .... hmm, was soll ich nur sagen jetzt? ich schau aus dem fenster ... bloß sie nicht anschaun.... jetzt stellt sie weiter fragen und wir reden ... über eine stunde reden wir nun schon und ich beruhige mich langsam ... ich zittere nicht mehr, das ist gut ... aber sie hat doch schon lang feierabend ... warum macht sie das? ich weiß es nicht ... ich weiß auch immer noch nicht woher die panik kam und warum ich so heftig dissoziiert habe ... was ist los mit mir heute? ... der weg nach hause ist erträglich ... ich habe angst, ich zittere ... aber es ist erträglich und ich schaffe es "hier" zu bleiben ..... so, nun endlich zu hause ... ich will mich betrinken, ich will mich schneiden, ich will sterben ... ich möchte nur noch sterben ... ich will dieses scheiss leben nicht mehr ... es zerreißt mich, meine gefühle zerreißen mich ... aber warum? es gibt doch keinen anlass dafür ... hmmm ... scheiße alles ...


Mail am mich! Eva-Maria H. - EIRESTAR EVA *NELLY*  Friday, September 07, 2001 2:31


Subject: wie geht es mir jetzt? vorsicht, eva

hallo eva, 

werd jetzt mal mein versprechen halten und einfach alles aufschreiben was gerade los ist .... weil weiß grad nicht weiter ... :( ... pass auf beim lesen ....

hab mich heute von der borderline mailing liste abgemeldet, weil ich mich von einer person sehr verletzt fühlte ... hab das nicht mehr ausgehalten ... dann hab den ganzen abend panik attacken gehabt ... fing an mit zittern, wurde immer schlimmer ... dann kam die angst dazu ... hab heiß geduscht ... hat nix geholfen, ist panik geworden ... ich wußt nimmer was machen sollt ... letzte rettung war dann schneiden ... hab mir den ganzen unterarm aufgeschnitten und jetzt tiefe wunden die eigentlich genäht werden müßten ... aber hatte angst meine mutter anzurufen damit sie mich ins krankenhaus fährt ... hab angst die steckt mich wieder in die psychiatrie, weil die ist ja meine betreuerin ... die weiß nicht von meiner selbstverletzung momentan ... ist gut so ... sie weiß nur das ich mir die gesamte kopfhaut immer blutig kratze, weil das ist nicht zu übersehen ... ja, die ist jetzt auch wieder eine einzige wunde meine kopfhaut :( ... aber diese "attacken" gegen mich selbst helfen mir mich zu beruhigen ... hat heut abend auch wieder ein wenig geholfen, nur nicht sehr viel ... ich bin hier hysterisch am heulen ... zittere und weiß nimmer wie ich mich beruhigen soll ... argz ... ich muss ins bett, muss schlafen ... aber kann nicht ... wenn ein oder zwei schlaftabletten mehr nehm? vielleicht werd dann ruhig? weiß nicht ob gut wär ... hatte schonmal zweimal eine benzodiazepinvergiftung ... mit lähmungen und alles drum und dran ... geht also nicht ... scheiße ... mir gehen die ganze zeit suizidgedanken durch den kopf ... erinnerungen an die clique von vor 4 jahren kommen hoch ... an die ganzen vergewaltigungen ... hab das gefühl das ganze erstickt mich ... sehe bilder .. spüre die schmerzen ... schmecke ... rieche .... all die ganzen sachen von den vergewaltigungen ... die jeden tag statt fanden, so oft wie diese männer wollten ... ich halt die gefühle nicht aus ... hab große probleme "hier" zu bleiben, muss aufpassen das mich nicht wieder ausklinke und dissoziiere ... ist zu gefährlich heut ... hab dann keine kontrolle mehr ... beiß mir die ganze zeit auf die wange mit voller kraft damit es weh tut und ich nicht zu dissoziieren anfange ... ach ich weiß ja auch nicht ... naja, das war es jetzt ... kann nimmer weiter schreiben ...


Schmerzen in meinem Herz

Allein sitz ich vor dem Computer,
Allein während andere träumen.
Nur noch einen Tag länger aushalten können,
Einen ruhigen, friedlichen 
Tag erleben zu dürfen - 
dafür bete ich.
Ich halte mir die Ohren zu,
während sie schimpft und jammert.
Immer nur schimpfen und beschweren -
immer weiter geht es.
Wieder und wieder verdreht sie die Wahrheit.
Benimmt sich als ob sie mißbraucht wird.
Die Wahrheit ist aber, 
dass ich es bin die mißbraucht wird -
Jeden Tag, Stunde für Stunde, 
bis ich nicht mehr weiter weiß
Was hab ich gesagt und 
was habe ich gemacht?
Ich weiß das war es nicht - 
ich weiß das es wahr ist.
Gebrüll und Geschrei - 
ich halt es nicht mehr aus
Jeden Tag lauf ich ein wenig näher zur Tür,
Um zu entkommen ohne ihr etwas zu tun.
Sie stößt mich weiter herum -
Werden wir aneinander geraten?
Oh Herr, ich bete für Ruhe am morgigen Tag,
Anstelle dieses unglaublichen Heruntermachens.
Ich weiß sie kann die schrecklichen Sachen,
die sie sagt nicht ernst meinen.
Doch das was sie kaputt macht,
bekomme ich nicht wieder.
Sie wünschte ich wäre tot -
sagte sie mir oft.
Leise weine ich ...
... leise sterbe ich.


Mail am mich! Eva-Maria H. - EIRESTAR EVA *NELLY*

 

Hallo Eva,
mal ein paar Gedanken von mir ....

Hmm, nu ist es schon wieder mitten in der Nacht ... ich kann aber noch nicht schlafen, viel zu aufgewühlt bin ich. Warum? Ich zittere wieder wie Espenlaub schon den ganzen Abend, Bilder kommen hoch. Bilder von früher, von den vielen Menschen die mir so weh getan haben und mir sovieles genommen haben. Für die ich einfach eine Art Puppe war, an der man sich mal eben bedient und sie wieder in die Ecke wirft, wenn man fertig ist mit "spielen".

Und ich habe Angst, die Menschen, die mir so sehr am Herzen liegen zu
verlieren. Das wieder einmal alles in die Brüche geht und ich wie schon so oft vorher einfach allein da stehe. Ich kann den Gedanken nicht ertragen wieder verletzt, enttäuscht und verlassen zu werden. Aber ich möchte mich nicht mehr verstellen und tue es doch nach wie vor. Ich möchte mich mitteilen, aber sobald ich meine Gefühle jemanden mitteile, fühle ich mich noch schlechter als vorher. Ja versuche später alles zu verharmlosen, vor allem was meine Eßstörung angeht und die Selbstverletzung, sobald ich mich mal überwinden konnte die Schwere meiner Probleme versuchen zu beschreiben. Ich lächle selbst dann noch, wenn ich innerlich am sterben bin. Warum mach ich das? Ich glaub ich habe Angst, dass die Menschen die ich lieb habe, sich abwenden von mir sobald sie mehr wissen. Sobald sie wissen wieviel Schmerz und Verzweiflung in mir sind und wieviele Probleme ich mit meinem Leben habe das keines ist. Sobald sie wissen, was für ein schlechter und wertloser Mensch ich bin.

Noch immer versuche ich die "heile Welt" meiner Mutter gegenüber krampfhaft aufrecht zu erhalten. Bloß keine Vorwürfe ihr gegenüber, bloß keine Kritik. Immer brav ja und amen sagen zu allem was sie zu sagen hat. Immer die liebe Tochter spielen, die so dankbar für ihre Mutter ist. Das macht mich kaputt!! Es macht soviel kaputt in mir! Und doch hab ich nicht die Kraft ihr meine Meinung zu sagen. Ihr all das zu sagen, was ihr Verhalten in mir zerbrochen haben. Warum kann ich das nicht? Ich möchte es doch so sehr. Eigentlich möchte ich sie nie wieder in meinem Leben sehen, nie wieder ihre Stimme hören. Doch jeden Tag kommt sie und versucht weiter mein Leben zu kontrollieren.

Auch wird meine Angst immer größer auf die Strasse zu gehen. Ich muss noch mit meinem Hund raus und meine Phantasie malt mir schon wieder die schrecklichsten Sachen aus, die passieren könnten. Ich habe Angst die Täter wieder zu sehen oder das sie mich finden. Habe Angst sie wissen es bereits und lauern mir irgendwann auf. Wo bin ich noch sicher? Bin ich überhaupt sicher? Morgen muss ich wieder zum einkaufen damit mein Hund etwas zu essen hat. Bereits jetzt habe ich Panik davor, habe so Angst davor. Ich möchte nicht aus dem Haus gehen, möchte niemanden sehen und nicht gesehen werden.

Ich schreibe mit lieben Menschen - so vielen geht es schlecht. Ich kann ihnen nicht helfen, kann nur versuchen dazu sein für sie und zuzuhören. Ich möchte jedem einzelnen gern Kraft schenken und den Mut weiter zu kämpfen. Aber woher soll ich diese Kraft nehmen und vor allem den Mut? Ich bin doch selbst schon im Minus, besonders was Kraft angeht. Und doch versuche ich immer noch zu geben, alles was ich habe bin ich bereit zu geben und gebe es auch wenn man mich nur lässt. Doch vergesse ich nicht mich selbst dabei? Ich glaube ich möchte das nicht anders teilweise. Ich kann so meine eigenen Gefühle vergessen, die ich nicht ertragen kann. Möchte überhaupt nichts mehr spüren von meinem Inneren, keine Gefühle und Gedanken mehr. Einfach mal abschalten, die Angst vor allem mal abschalten. Endlich mal Sicherheit spüren.

Ich kenne sehr wenige ganz liebe Menschen denen es gut geht und die versuchen mir zu helfen. Drei Menschen die soviel Herz haben und nicht einfach versuchen wegzuschauen, sondern sehr engagiert sind, nicht nur für mich! Sie geben mir Kraft und unterstützen mich auf meinem Weg weg von der Vergangenheit in eine bessere Zukunft. Danke Dir Eva! Danke I.! Danke L.! Ich hab Euch so lieb, danke dass es Euch gibt und ich Euch kennenlernen durfte.

Nun sitze ich wieder hier seit Stunden und versuche nicht zu schneiden, mir keine neuen Narben zuzufügen. Ich hab soviel Druck in mir, der raus möchte. Ich versuche mich abzulenken, durch reden mit Leuts, durch schreiben. Ich glaube heute habe ich den Kampf gewonnen, oder? Ich habe mir heute nichts angetan, also glaube ich den heutigen Tag überstanden zu haben.

EIRESTAR:

Ich bin verdammt stolz auf Dich. 

Du hast einen sehr großen Sieg errungen!


Mail am mich! Eva-Maria H. - EIRESTAR EVA *NELLY*   18.9.2001

 

Hey Eva ...

werd Dir heut mal ein bißchen was darüber erzählen, wie das alles gekommen ist und was ich in der Psychiatrie erlebte dieses Jahr. Letztes Jahr sind bei mir die ersten Erinnerungen zum Vorschein. Ich war krankgeschrieben und hatte eine Sehnenscheidenentzündung. In dieser Zeit ist die Selbstverletzung in Form von Schneiden ziemlich außer Kontrolle geraten und war nicht mehr nur oberflächlich, sondern ging bis ins Muskelgewebe. Ich bin in eine ziemlich tiefe Depression gerutscht und hab mich in meiner Wohnung verkrochen, weil ich Panikattacken bekam ohne das mir ein Auslöser bewußt war. Aus der Sehnenscheidenentzündung hat sich schließlich ein Sudek Syndrom entwickelt, dass laut meines Orthopäden psychosomatische Ursachen hatte. Ich war einen Monat krank geschrieben und in dieser Zeit kamen immer kurze Standbilder vom Mißbrauch früher hoch. Ich konnte damit wenig anfangen, zumal ich auch davon träumte und sich in meinen Träumen richtige Filme abspielte. Bin sehr oft schweißgebadet und schreiend aufgewacht.

Wieder in der Arbeit hab ich ziemlich nachgelassen von der Leistung her, ich war einfach völlig daneben und mit mir selbst beschäftigt. In einer Besprechung sind Wunden an meinem Bein aufgeplatzt und da ich durch meinem Job weiße Hosen tragen mußte, war natürlich mein Hosenbein blutüberströmt. Meine damalige Chefin ist darauf aufmerksam geworden und hat mich nach der Besprechung zur Seite genommen. Ich konnte nichts sagen, konnte ihr nur meine Wunden zeigen und weinen. Ich konnte das Wort "Mißbrauch" noch nicht mal aussprechen ohne Panik zu bekommen. Meine Chefin war sehr verständnissvoll und schickte mich zu einer Ärztin. Diese hat sich um meine Verletzungen gekümmert und mir Beruhigungsmittel genauso wie Schlaftabletten verschrieben. Sie schickte mich dann weiter in eine Psychosomatische Klinik zur Diagnostik. Dort führte ich Gespräche mit Therapeutinnen und es kamen mehr und mehr Erinnerungen ans Tageslicht. Nach einiger Zeit bekam ich dann meine Diagnose: Borderline - Persönlichkeitsstörung und Posttraumatische Belastungsstörung. Von da an wurde ich krankgeschrieben, das war Anfang November.

In der darauffolgenden Zeit wurde ich förmlich von Erinnerungen überschwemmt mit einer atemberaubenden Klarheit. Mit mir ging es immer weiter bergab, bis mich meine Ärztin schließlich zu einer Nervenärztin überwies. Diese verschrieb mir Unmengen von Medikamenten. Fünf verschiedene Beruhigungsmittel, Schlaftabletten, Antidepressiva, Mittel gegen Stimmungsschwankungen, zusätzlich Depot-Beruhigungsspritzen. Das alles bekam ich auf einmal in hohen Dosen, damit ich ruhig gestellt war. Die erste Zeit funktionierte das auch gut. Allerdings ist durch die vielen verschiedenen Medikamente nach kurzer Zeit alles schlimmer geworden, ist ins unkontrollierbare entglitten. Vor allem meine Selbstverletzung und Suizidalität. Ständig hatte ich Zeitverluste und hab übel dissoziiert. Ich weiß aus dieser Zeit fast überhaupt nichts mehr aus eigenen Erinnerungen, sondern nur aus den Erzählungen meiner Mutter, die versuchte mich am Leben zu erhalten - im wahrsten Sinne des Wortes. So sehr ich sie auch hasse und
verachte, sie hat mich in dieser Zeit unterstützt und das nicht zu knapp.

Mehrmals wöchentlich mußte ich schließlich zu meiner Hausärztin, zu meiner Nervenärztin und zu der Therapeutin, die mir von der Psychosomatischen Klinik vermittelt wurde. Allerdings konnte und wollte niemand mehr die Verantwortung für mich übernehmen, weil es einfach nicht mehr möglich war zu diesem Zeitpunkt. Es war überhaupt alles außer Kontrolle. Meine Eßstörung war wieder voll im Gange und ich habe nichts mehr bei mir behalten können. Oder ich war so depressiv bis zur vollständigen Lähmung und konnte nichts mehr zu mir nehmen. Oft ist es so sehr eskaliert mit meiner Selbstverletzung und Panikattacken, das in der Nacht der Notarzt kommen mußte. Meine Mutter war fast 24 Stunden am Tag bei mir, hat teilweise sogar bei mir übernachtet, weil man mich nicht mehr allein lassen konnte. Ich wollte sterben und versuchte mich mit allen Mitteln zu zerstören, vor allem meinen Körper. In der Notfallambulanz des nahegelegenen Krankenhauses hat man nur noch die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, wenn meine Mutter mal wieder mit mir in der Tür stand zum nähen meiner Verletzungen. Ich war oftmals gar nicht mehr ansprechbar, weil ich in so einem Zerstörungswahn und Panikattacken war, war einfach völlig hysterisch und bin auch oft ausfallend geworden wie meine Mutter mir erzählte. Gerade auch gegenüber den Ärzten. Hinzu kamen massive Probleme mit körperlicher Nähe, was es widerum den Ärzten und auch mir nicht gerade einfach machten!

Während dieser Zeit gab es im Internet ein paar wenige Leute, denen ich vertraute und mit denen ich redete. Ich weiß gar nicht, wie diese es schafften mich auszuhalten oder gar mit mir zurecht kamen. Sie versuchten mir zu helfen, telefonierten mit mir und redeten was das Zeug hielt. Ich habe das zu der Zeit gar nicht annehmen können, aber jetzt im nachhinein erkenne ich wie sehr mir diese wenigen Leute halfen. Auch mein Hund spielte eine große Rolle in meinem täglichen Überlebenskampf - ich lebte nur noch für ihn! Allerdings konnte ich auch die Nähe meines Hundes oft nicht ertragen, konnte mich oft nicht um ihn kümmern, vor allem wenn ich mal wieder zu keiner Bewegung in der Lage war aufgrund meiner Depressionen. Eine Bekannte von mir hier versuchte mich durch ihr Pferd abzulenken und durch's reiten. Das ging eine Weile gut und ich nahm weniger Medikamente. Aber es hielt nicht lange an und ich konnte auch dort nicht mehr hingehen. Schluckte täglich Unmengen von Tabletten, damit ich nichts mehr spüren mußte. Ich wollte diese Erinnerungen nicht haben, konnte sie nicht akzeptieren und ertragen. Gleichzeitig wollte ich meinen Körper spüren und schnitt immer tiefer. Es war alles ein Widerspruch in sich, mein ganzes Verhalten.

Das rausgehen war für mich bald unmöglich, ich hatte sogar Halluzinationen vor lauter Angst und Verfolgungswahn. Habe Sachen gesehen, die nicht da waren und Stimmen gehört von Menschen, die nirgendwo in der Nähe von mir waren. Anfang März war es dann soweit, dass ich das Haus nicht mehr verlassen konnte vor lauter Panik. Ich schaffte es meine Hausärztin anzurufen und diese hat sofort eine Einweisung in die Psychiatrie zur Krisenintervention veranlasst. Dort bekam ich weiterhin sehr viele Medikamente, vor allem Beruhigungsmittel. Ich habe die Hilfe in der Krisenintervention nicht wirklich annehmen können, aber ich habe einfach geredet, versucht alles rauszulassen. Auch meine Suizidgedanken und meine Gedanken über die Selbstverletzung! 11 Tage lang habe ich dort das Essen verweigert, nur Tee und so getrunken. Ein Grund dafür war, dass ich einfach nicht mehr die Kraft hatte mir 3-8 mal pro Tag den Finger in den Hals zu stecken, um das Essen rauszubekommen. Die Therapeutin war mit mir völlig überfordert. Allerdings hatte ich mit meinen Mitpatienten sehr gute Gespräche, die mir auch jetzt im Nachhinein weitergeholfen haben. Zu diesem Zeitpunkt allerdings konnte ich denen ihre Hilfe nicht annehmen, ich wollte einfach nur reden und mehr nicht. Ja doch, ich wollte sterben, das war mein sehnlichster Wunsch. Zweimal bin ich in den drei Wochen dort weg, hab mich einfach kurzfristig entlassen lassen von dort, weil jedesmal die Entlassung von Mitpatienten anstanden und das konnte ich nicht ertragen. Also bin ich lieber heim und hab weitergemacht in meinem Zerstörungswahn um nichts von mir spüren zu müssen und doch meinen Körper fühlen zu können. Ich habe auch sehr viel harten Alkohol getrunken in dieser Zeit und dazu Abführmittel genommen. Lebensmittel konnte ich überhaupt nicht mehr bei mir behalten, habe alles wieder rausgebracht.

Als ich das letzte Mal entlassen worden bin aus der Krisenintervention war ich so am Ende, dass ich am selben Abend wieder geschnitten und mich hoffnungslos betrunken habe. Am nächsten Tag ist das ganze dann total eskaliert und ich bin so hysterisch geworden, dass mich nichts mehr beruhigen konnte. Meine Mutter war den ganzen Abend hier und wir mußten zwischendurch noch zum nähen, weil ich alle aus meiner Wohnung geschmissen hatte, damit ich mich schneiden konnte. Ich wollte ja ruhig werden, wußte allerdings nicht wie!! Ich wollte in diesen Stunden nur noch sterben, ich wußte einfach nicht mehr weiter. Hab kein Land mehr gesehen und drohte einfach unterzugehen in meinen Gefühlen und Erinnerungen. Zweimal war ein Notarzt da an dem Abend, aber die hab ich nur angeschrien und hab mich weinend und schreiend in die hintereste Ecke meines Bettes unter einer Decke verkrochen. So konnten mir die Ärzte natürlich nicht helfen. Meine Mutter rief eine der wenigen Freundinnen an, weil sie nicht mehr wußte, was sie noch machen sollte. Ich war völlig außer Kontrolle. Allerdings wußte eben diese Freundin auch nicht weiter. Meine Mutter rief meine Hausärztin an und die hat sich geweigert in meinem Zustand die Verantwortung zu übernehmen und wieder an einen Notarzt verwiesen. Am Nachmittag hatte sich Verwandschaft auf den Weg gemacht und ist den weiten Weg hergekommen, doch als sie ankamen bin ich völlig durchgedreht und hab eine Überdosis starker Beruhigungsmittel geschluckt. Dazu kamen noch die Abführmittel die ich vorher nahm und die halbe Flasche Weinbrand, die ich getrunken habe. Meine Mutter rief sofort den Notarzt an, der auch innerhalb von ein paar Minuten da war und mich sofort an den Tropf hing. Wurde dann sofort abtransportiert ins Krankenhaus. Dort wurde mir der Magen mit Hilfe eines Medikaments entleert. Ich war so völlig daneben, dass ich alles tat was sie mir sagten. Ich leistete keinen Widerstand mehr. Verbot sogar den Ärzten weitere Auskünfte an meine Mutter über mich zu geben, weil ich so in meiner Panik und Verfolgungsangst war.

Dann wurde ich auf die Intensivstation verlegt, wo ich einen Tag verbrachte. Diese Stunden waren sehr schlimm für mich. Ich durfte nicht rauchen, durfte nicht auf die Toilette und habe nichts zu essen bekommen. Die ganze Zeit waren Pfleger um mich herum und schauten nach dem EKG, Blutdruck und Temperatur. Alles hat gepiepst in dem Raum und es war einfach tierisch laut. Am Nachmittag des nächsten Tages war es mir einfach zuviel des guten, zuviel Nähe die ich nicht ertragen konnte. Ich nahm mir das EKG ab, das Blutdruckmeßgerät und bestand darauf, auf Toilette zu dürfen und eine Zigarette zu bekommen. Nach ewigen Drängeln, Betteln und Flehen wurden dann
meine Wünsche erfüllt. Am Abend kam dann eine Psychiaterin, die meine Suizidalität beurteilen sollte. Die hat nichts gefragt, sondern einfach die Zwangseinweisung angeordnet, nachdem sie mir ein paar Gemeinheiten reingedrückt hat. Wenig später befand ich mich bereits im Krankenwagen auf dem Weg in die Psychiatrie. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich nicht, was mit mir geschieht, wußte nicht wo es hinging. Dann wurde ich auf die Station gebracht, nachdem ich mich versuchte gegen die unmögliche Aufnahmeärztin zu wehren, weil die Vorurteile hatte gegen Borderliner.

Dann ging es in die oberen Etagen. Moment mal dacht ich mir, wieso nach oben? Ich möchte nicht zu die Irren!!! Die Krisenintervention ist doch im Erdgeschoss! Da ich nach wie vor nicht wußte, was mit mir geschieht, war ich total verängstigt. Und als ich dann in die Station kam zur Aufnahme und die Leute dort sah zitterte ich bereits am ganzen Körper und Panik machte sich wieder in mir breit. Ich hatte bereits von der Geschlossenen Psychiatrie in der Krisenintervention gehört. Dann wurde ich in den Wachbereich gesperrt, zusammen mit zwei psychotischen Frauen die schrien und so weiter. Die hörten die ganze Nacht nicht auf und ich lag leise weinend in dem Bett und wußte überhaupt nicht mehr was los war. Ich war eingesperrt wie ein Tier.

Am nächsten Vormittag kam dann diese unverschämte Aufnahmeärztin wieder und wollte ein Gespräch mit mir führen. Ha! Einen Dreck hat sie getan. Ich durfte mir Vorwürfe und Vorurteile anhören, ohne jemals zu Wort kommen zu dürfen. Sie hat mir den Mund verboten. Dann hat sie sofort das Gericht bestellt und einen richterlichen Beschluss angeordnet. Ich wurde aus dem Büro geschickt, weil ich nicht hören sollte, was sie den Richtern zu sagen hatte. Allerdings wußte ich überhaupt nicht was los ist und was ein richterlicher Beschluß ist. Das wurde mir nicht erklärt, noch nicht mal versucht zu erklären. Ja, und da hatte ich dann meinen richterlichen Beschluß über eine Zwangseinweisung und Aufenthaltsdauer von mindestens 6 Wochen mit eventueller Verlängerung. Was das für mich bedeutete, wußte ich nicht. Ich wußte auch nicht was es für mich bedeutete als meine Mutter zu
meiner Betreuerin ernannt wurde vom Gericht.

Wenig später stand der Oberarzt der Krisenintervention im Zimmer. Er nahm mich dann mit raus um mit mir in Ruhe zu reden und hat mir Mut gemacht. Ich konnte gar nichts sagen, ich wußte nicht was los war und hab einfach nur geweint. Am Nachmittag zur Besuchszeit kamen dann meine Mutter und ihr Freund zu Besuch. Das erste Mal in meinem Leben bin ich meiner Mutter in die Arme gefallen und hab einfach nur geweint. Ich war so verzweifelt über meine Situation.

Zwei Tage und Nächte verbrachte ich in diesem "Glaskasten", den Wachbereich mit diesen psychotischen Menschen. Ständig Geschreie im Zimmer, ständig mußt ich Angst haben meine Sachen würden aus dem Fenster geworfen. Ständig wurde ich von einer dieser verrückten angefasst und es hat mich bald wahnsinnig gemacht vor Angst! Die hygienischen Zustände in diesem Wachbereich waren katastrophal und so verging mir sogar meine Bulimie. Nein, auf diesen Toiletten konnte ich mich nicht übergeben, wo man schon fast einen Steg brauchte um trocken an die Toiletten zu kommen.

Nach diesen 48 Stunden kam ich in ein Zimmer, das mit Kameras überwacht worden ist. Allerdings war ich dort wenigstens allein drin und konnte mich so vor den Patienten flüchten, die mir unbeschreibliche Angst machten. Die waren nämlich fast alle psychotisch und wurden mit Haldol vollgepumpt, damit die ruhig waren und nichts machen konnten. Die PflegerInnen haben mich wie ein Stück Scheiße behandelt. Schließlich waren ihrer Meinung nach Borderliner alle schlechte Menschen, waren falsch und verlogen. Meine ersten Versuche Gespräche anzufangen wurden gnadenlos abgewiesen. Ich versuchte mich abzulenken, in dem ich den ganzen Tag las. Habe mich einfach in eine Ecke verkrochen mit meinem Buch und gelesen, einfach meine Außenwelt verdrängt und abgeschalten. So schaffte ich es ruhig zu bleiben und nicht durchzudrehen vor Angst. Es gab einen lieben Menschen dort, der ebenfalls wegen eines Suizidversuches dort war. Allerdings hatte er das Glück, dass er Privat versichert war und so wurde er wie ein König behandelt. Wir verstanden uns super, aber er wurde wenige Tage später entlassen und so war ich wieder allein.

Soviele Telefonkarten wie dort habe ich noch nie vertelefoniert, denn jeden Abend verbrachte ich Stunden am Telefon um mit Menschen (!!!) reden zu können und einfach nur vertraute Stimmen hören zu dürfen. Das Telefon und meine Bücher waren meine Inseln in diesem Meer aus Elend, Irrheit und Kälte seitens des Pflegepersonals und den Ärzten. Was ich dort auf dieser Station sah war einfach unbeschreiblich. Wie die Menschen dort behandelt wurden, lag jenseits jeder Menschenwürde. Das hatte dort nichts mehr mit Würde zu tun. Es ging für jeden einfach nur ums blanke Überleben. Ich hatte im Grunde genommen noch Glück gehabt in Bezug auf Medikamenten. Die dumme Aufnahmenärztin meinte nämlich, ich wäre Benzodiazepinabhängig und so wurde mir nichts verschrieben. Das hat glaub ich einiges entschärft für mich.

Die Visiten von den Ärzten waren schlimm für mich, außerdem fanden sie nur einmal pro Woche statt. Die Ärztin die für mich zuständig war, war so kalt und emotionslos wie ein Mensch nur sein kann. Ständig wurden mir Zugeständnisse gemacht, die wenige Minuten später wieder aufgehoben wurden. Ich wurde gestestet von den Ärzten und vom Personal. Die wollten mich zum ausrasten bringen, was ich in späteren Gesprächen mit wenigen Krankenschwestern in Erfahrung bringen konnte. Ja, nach wenigen Tagen haben die verstanden, dass ich harmlos bin und eigentlich nur Hilfe möchte, nur reden möchte und niemandem etwas tue. Endlich waren das Personal bereit mir zuzuhören und zu verstehen. Es fanden gute Gespräche statt. Ich erklärte denen was mit mir los ist und warum ich mich vorher so verhalten hatte. Habe denen verständlich machen können, dass ich nur Hilfe möchte. Das ich eigentlich Leben möchte, aber ich nicht weiß wie. Ich denke, dass ging an die Ärzte weiter, denn die waren auf einmal sehr verändert und nach einer Woche bekam ich sogar Ausgang. Der Ausgang hat mir vieles leichter gemacht, ich war nicht mehr so eingesperrt und habe lange Spaziergänge mit zwei lieben Mitpatienten unternommen. Auch die Therapien an denen ich nach einer Weile teilnehmen durfte, waren für mich ein wenig mehr Freiheit, obwohl sie mir nicht halfen.

Mit den Patienten kam ich ebenfalls sehr gut klar nach einer Woche, als ich meine Angst ein wenig zurückschrauben konnte. Es war soviel Verzweiflung in diesen Menschen und ich habe versucht zu helfen, wo es nur geht. Habe Gespräche geführt mit den Patienten, habe geholfen wo ich nur konnte und soviel es mir möglich war. Auch habe ich versucht dem Pflegepersonal zu helfen, wenn mir langweilig war. Es gab eine sehr liebe Hilfsschwester dort, die mit mir immer rauchte auf dem Balkon und mit der ich einfach über alles reden konnte und durfte. Sie hat mir soviel Kraft gegeben und mir immer Obst und Gemüse mitgebracht, weil ich das Essen dort verweigert habe in der Geschlossenen Station. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich mit ansehen mußte wie das Geschirr von patienten als Toilette benutzt wurde. Ja, Patienten haben das Geschirr zum urinieren benutzt und sogar um zu scheißen. Sogar vor den Waschbecken haben diese paar Patienten nicht halt gemacht.

Mittlerweile waren die Visiten in Ordnung, ich hatte die Kontrolle. Sogar der Chefarzt der Station mußte mir und seinen Kollegen gegenüber eingestehen, dass Fehler gemacht wurden im Umgang mit mir und mit dem richterlichen Beschluß. Er hat mir ins Gesicht gesagt vor seinen Kollegen, dass die Station mir mehr schadet als hilft und dass ich sehr bald entlassen werden würde und auf keinen Fall die 6 Wochen auf Station bleiben muss. Ich war so erleichtert und wurde innerlich auch ein wenig ruhiger. Außerdem war ich mittlerweile im Zweibettzimmer und da war es ruhig und ich konnte schlafen!! Nach 2 Wochen wurde ich entlassen, allerdings noch mit einer ziemlichen Gemeinheit. Zwei Tage vor meiner Entlassung sollte meine stationäre Therapie anfangen, wo allerdings noch behauptet wurde, dass ich zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall diese Therapie machen könnte. Und zwei Tage später entlassen die mich! Ich habe gemeint ich spinne, das war sehr verletzend und hat mich wütend gemacht. Denn ich brauchte Therapie und mußte reden, vor allem weil ständig Erinnerungen hochkamen und mich überschwemmten.

So wurde ich kurz vor Ostern entlassen und ich wurde mit einem Lächeln entlassen vom Pflegepersonal. Allerdings bin ich auch mit einem Lächeln gegangen, weil ich es schaffte, dem Personal die Vorurteile zu nehmen in Bezug auf Borderline-Persönlichkeitsstörung. Denn ich bin nur ein Mensch und nicht verrückt! Und ich konnte einigen Mitpatienten helfen, ihnen ihre Angst nehmen und das hat auch gleichzeitig mir geholfen. Nur eines steht fest, nie wieder möchte ich in die geschlossene Psychiatrie kommen!