Jedermanns Pflicht - auch die Deine!
Vom Jahr 2000 zu 2001 ist die Zahl der Fälle von
Kindesmissbrauch laut Statistik des Bundesinnenministeriums um drei Prozent
zurückgegangen. Das verleitet dazu, dem Problem weniger Aufmerksamkeit zu
schenken. Die Fälle der letzten Wochen belehren uns eines Besseren. Seit Jahren
stagniert die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder auf hohem Niveau: 2001
wurden insgesamt 15.117 Fälle erfasst, darunter einer mit Todesfolge. Darüber
hinaus haben Amts- oder Vertrauenspersonen ihre Stellung ausgenutzt und sich an
über 1.000 Kindern oder Schutzbefohlenen vergangen. Dies war gegenüber 2000 ein
Anstieg um 0,5 Prozent. Kinder sind auf ihrem langen Weg des Erwachsenwerdens
neben der elterlichen Liebe und Fürsorge, der Geborgenheit in der Familie auch
auf den Schutz, die Aufmerksamkeit und die Hilfe der Allgemeinheit angewiesen.
Der sexuelle Missbrauch von Kindern geschieht nicht nur durch Fremde, sondern
oftmals auch in der Familie, in der Verwandtschaft oder im engeren
Bekanntenkreis. Die Tathandlungen sind in ihrer Intensität sehr unterschiedlich
ausgeprägt. Sie reichen von verbalen Belästigungen, exhibitionistischen
Handlungen bis hin zur Vergewaltigung. Eine besonders schwere Form der sexuellen
Ausbeutung ist die Kinderpornografie mit ihrer weltweiten Verbreitung über das
Internet. Je enger die Beziehungen zwischen Täter und Opfer sind, je mehr das
Machtgefälle zwischen Erwachsenem und Kind ausgenutzt wird, um so nachhaltiger
sind die Schäden für die körperliche und seelische Entwicklung des kindlichen
Opfers.
Sexueller Missbrauch ist meist kein einmaliger Ausrutscher, die Täter handeln
selten spontan, sondern geplant und organisiert. Sie suchen sich auch Berufe
oder Freizeitbeschäftigungen aus, bei denen sie Kontakt zu Kindern haben.
Manchmal werden Kinder über Jahre hinweg von einer Person missbraucht, wobei
sich die Intensität mit zunehmendem Alter des Opfers steigert. Ohne Intervention
von außen finden Kinder aus dieser Täter-Opfer-Beziehung keinen Ausweg. Deshalb
haben alle Erwachsenen - unabhängig von verwandtschaftlichen Beziehungen oder
vom Grad der Bekanntschaft - die Pflicht, hinzusehen und einzuschreiten, um
Kinder vor Gewalt und sexueller Ausbeutung zu schützen.
Selbstbewusste Kinder, die gelernt haben, dass ihre Gefühle auch von Erwachsenen
respektiert werden müssen, die selbst entscheiden dürfen, was sie zulassen
wollen oder nicht, sind besser gegen sexuelle Übergriffe geschützt als Kinder,
die verängstigt und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.
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