03.12.2008  Studie:

Kindesmisshandlung weiter verbreitet als angenommen

 

London – Die Misshandlung von Kindern ist in vielen wohlhabenden Ländern offenbar viel weiter verbreitet, als es amtliche Statistiken vermuten lassen. Bis zu zehn Prozent der Kinder seien von Misshandlungen betroffen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht von Wissenschaftlern aus Großbritannien und den USA (Lancet 2008; doi: 10.1016/S0140-6736(08)61706-7). Die Autoren forderten mehr Geld, um den Ursachen der Kindesmisshandlung auf den Grund gehen zu können.

 

Eine „sehr bedeutende Zahl“ von Kindern habe negative Erfahrungen in ihrer Kindheit machen müssen, sagte Cathy Widom von der New Yorker City University bei der Vorstellung des Berichts in London. Ruth Gilbert vom University College London sagte, dass auf Grundlage der Erhebungen in mehreren Ländern davon auszugehen sei, dass etwa zehn Prozent der Kinder in irgendeiner Form misshandelt werden. Unter Misshandlungen verstehen die Wissenschaftler körperliche und emotionale Gewalt ebenso wie sexuellen Missbrauch.

 

Die Schätzungen beruhen den Angaben zufolge auf einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien aus Großbritannien, den USA, Neuseeland, Finnland, Italien, Portugal und Schweden. Dabei waren Kinder über mögliche Misshandlungserlebnisse und Eltern über ihre Erziehungsmethoden befragt worden. Nach offiziellen Zahlen von Kinderschutzbehörden etwa in den USA oder Großbritannien gelten rund ein Prozent der Kinder als Opfer von Misshandlungen.

 

Kindesmisshandlung sei ein „viel größeres Gesundheitsproblem als wahrgenommen“, sagte Richard Horton, Herausgeber der britischen Mediziner-Fachzeitschrift „The Lancet“, die ihre aktuelle Ausgabe diesem Thema widmet. Die Autoren des Berichts forderten mehr finanzielle Mittel für die Forschung über Kindesmisshandlung und verlangten eine nüchterne Debatte über die Sicherheit von Kindern. Horton beklagte, dass dieses Thema zu oft nur nach spektakulären Misshandlungsfällen zur Sprache komme. Die öffentliche Empörung behindere dann die Suche nach ernsthaften gesetzlichen Lösungen. © afp/aerzteblatt.de Quelle

 


 

Studie:

Kinder fürchten sich vor Sexualstraftätern und Mördern

 

Hamburg - Kinder in Deutschland fürchten sich vor allem vor sexuellem Missbrauch und Mord. Nach einer am Dienstag vorgelegten Studie haben 6- bis 14-Jährige davor mehr Angst als vor einem Schicksalsschlag in der Familie. 

Berichterstattung der Medien stark prägend

Gestiegen sei die Angst vor "Verbrechern, die Kindern etwas Böses antun". Auslöser seien vor allem Fälle wie der Mord an der 12-jährigen Ulrike aus Eberswalde oder die Suche nach der vermissten Peggy (9) aus Bayern. Die Berichterstattung von Fernsehen und Zeitungen spiele bei der Auslösung von Ängsten offenbar eine wichtige Rolle. "Das sind Bilder und Gefühle, die sich bei Kindern sehr stark einprägen", sagte Rita Jakli von der R + V Versicherung, die die Befragung von insgesamt 1.300 Kindern in Auftrag gegeben hat. 

Auch Angst vor Schicksalsschlag in der Familie

An zweiter Stelle der Angstskala steht mit 53 Prozent die Furcht, dass jemandem aus der Familie etwas Schlimmes zustoßen könnte. "Ein Schicksalsschlag in der Familie ist für Kinder schlichtweg eine Katastrophe." Drittgrößte Sorge der Kinder war die Angst vor Luftverschmutzung (40 Prozent), gefolgt vom Aussterben der Tiere (39 Prozent).

 

Kinder im Osten sind ängstlicher

Vergleichsweise wenig Sorgen machen sich die Kinder über schlecht Schulnoten, das Müllproblem oder das Zusammenleben mit Ausländern. Die Kinder würden insgesamt weniger Ängste zeigen als in den vier vorausgegangenen Untersuchungen, so Rita Jakli. Auffällig sei jedoch, dass Kinder in Ostdeutschland deutlich mehr Ängste haben als ihre westdeutschen 
Altersgenossen. Zugenommen hat die Furcht vor Arbeitslosigkeit und Geldnot in der Familie.

Die Studie "Ängste der Kinder" führt die R+V seit 1994 durch, seit 1995 im zweijährlichen Rhythmus. Die Interviewer des Instituts für Jugendforschung, für die hauptsächlich Jugendliche ausgewählt wurden, erkundigten sich im persönlichen Gespräch nach 17 Ängsten im gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Umfeld. (ha/dpa)