2005 wurden alleine in
Deutschland über 15.000
Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bekannt. Die
Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher.
02.07.2009
Gewalt gegen Kinder steigt rapide
Schwere Verletzungen oder Traumata sind oft Folgen von
Kindesmisshandlungen. Viele Kinder in Deutschland sind vor
Gewalt nicht sicher. Die Zahl der Misshandlungen hat sich
innerhalb eines Jahrzehnts etwa verdoppelt. Polizei und
Ärzte fordern einen besseren Schutz in Deutschland ist die Zahl der registrierten und behördlich
erfassten Kindesmisshandlungen in den vergangenen Jahren
stark gestiegen. Darauf hat der Bund deutscher
Kriminalbeamter (BDK) am Donnerstag (02.07.2009)
hingewiesen. Wie der BDK unter Berufung auf die aktuelle
Kriminalstatistik mitteilte, wurden 2008 knapp 4100 solcher
Fälle von den Behörden gezählt. Zehn Jahre zuvor hatte die
Zahl noch bei rund 2400 gelegen.
Wie die aktuelle Statistik ausweist, starben im vergangenen
Jahr in Deutschland 93 Kinder durch Mord und Totschlag. In
86 offiziell erfassten Fällen konnten Mädchen oder Jungen
durch das Eingreifen der Ämter oder der Polizei vor Mord und
Totschlag gerettet werden - waren aber schwer verletzt oder
traumatisiert.
Besonders betroffen: Die unter Sechs-Jährigen
Die Zahl der Misshandlungen von Kleinkindern verdoppelte
sich sogar binnen eines Jahrzehntes. So wurden im
vergangenen Jahr bei fast 1800 Mädchen und Jungen unter
sechs Jahren Misshandlungen festgestellt. 1998 lag die Zahl
solcher Fälle noch bei etwa 900.
Die kontinuierlich gestiegene Zahl der Gewalttaten gegen
Kinder und das alarmierend hohe Niveau könnten auf keinen
Fall nur mit einer gewachsenen Anzeigebereitschaft erklärt
werden, betonte der Vize-Vorsitzende des BDK, Bernd
Carstensen. Kinder seien zunehmend gefährdet. Notwendig sei
deshalb ein besserer Schutz. Dazu gehöre der Austausch von
Informationen unter Kinderärzten, da Eltern bei wiederholtem
Missbrauch den Arzt wechseln würden, um ihre Taten zu
vertuschen.
Die ärztliche Schweigepflicht lockern
Carstensen empfahl eine eigene Datenbank für derartige
Fälle. Der Berliner Kinderchirurg Harald Mau äußerte sich
ebenfalls in diesem Sinne. Es müsse Ausnahmen bei der
ärztlichen Schweigepflicht geben. Die Rechte von Medizinern
müssten gestärkt werden, um im Verdachtsfall Misshandlungen
melden zu können. Außerdem müssten die rund 600 Jugendämter
in Deutschland nach einheitlichen Qualitätsstandards
arbeiten. Nur so könne es einen effektiven Schutz geben,
sagte Mau, der in der Berliner Charité als Direktor für
Kinderchirurgie arbeitet.
Bundesregierung steht in der Kritik
Diese Position vertritt auch der Vorstandvorsitzende der
Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann. Er kritisierte die
Bundesregierung, weil sie sich Anfang der Woche nicht auf
den Entwurf für ein Kinderschutzgesetz hatte einigen können.
Strittig ist zwischen SPD und Union unter anderem die Frage,
wann und unter welchen Umständen ein Jugendamt ein Kind
persönlich in Augenschein nehmen muss und wann nicht.
Einig sind die großen Parteien sich allerdings darin, dass
etwas geschehen muss: Die vielen dramatischen und in ganz
Deutschland Schlagzeilen machenden Fälle von misshandelten
oder verhungerten Kindern haben deutlich gemacht, dass
bessere Schutzmaßnahmen für die Kleinen und Wehrlosen
dringend notwendig sind. (haz/mas/rtr/afp/dpa/kna)
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26.02.2009
Gewalt
und Missbrauch an 11.000 heimischen Kindern
11.000 Kinder in Österreich wachsen nicht bei
ihren Eltern, sondern in Kinderdörfern, bei Pflegeeltern oder in
Wohngemeinschaften auf. Insgesamt leben 34.000 Minderjährige in Krisenfamilien.
"Die Dunkelziffer bleibt rabenschwarz", sagte Christian Moser, Geschäftsführer
von SOS-Kinderdorf.
Jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder
siebente bis achte Bub in Österreich werden in ihrer Kindheit sexuell
missbraucht. Das Durchschnittsalter der missbrauchten Kinder beträgt ungefähr
elf Jahre, fast die Hälfte der Täter sind Vaterfiguren oder Verwandte.
Laut der letzten vom Bundesministerium 1991 in
Auftrag gegebenen Gewalt-Studie geben ungefähr 30 Prozent der Eltern ihren
Kindern häufiger Klapse oder Ohrfeigen. Fünf bis sieben Prozent greifen häufiger
zu schweren Gewaltmitteln (Tracht Prügel oder Schlagen mit Gegenständen). Nur
zehn Prozent der Eltern verzichten gänzlich auf Gewalt.
In Österreich gibt es keine Studien über das
Ausmaß an Gewalt in der Familie, kritisierte die Wiener Kinder- und
Jugendanwältin Monika Pinterits. Ohne Zahlen sei auch die Unterstützung
schwierig. Pinterits forderte, dass Kinderrechte endlich in der österreichischen
Verfassung verankert werden müssen. Außerdem fehlen Therapieplätze für Kinder.
Laut Moser wäre es auch höchst an der Zeit, dass sich das Parlament zumindest
einmal jährlich mit dem Bericht über Kindheit in Österreich beschäftigt.
Gewalttaten gegen Kinder im Familienkreis
gelangen den Autoren zu Folge selten zur Anzeige. In der Anzeigenstatistik
(2006) finden sich "nur" rund 300 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren, die
Opfer einer leichten Körperverletzung (z. B. Bluterguss, Prellung) durch ein
Familienmitglied wurden. Die angezeigten Fälle sind offenbar nur die "Spitze des
Eisberges".
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31.12.2008 Ta
Tendenz steigend
2007 wies die Kriminalstatistik
270 Fälle von Kinderpornografie in Sachsen-Anhalt aus. Bis Ende November 2008
war bereits eine Steigerung von knapp fünf Prozent zu verzeichnen, gegenüber
2006 sogar von nahezu 45 Prozent.
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27.12.2008
Vermisste Kinder - Vom Erdboden verschluckt
1600 Kinder werden in München jedes Jahr als
vermisst gemeldet - die meisten tauchen nach ein paar Tagen aber wieder bei den
Eltern auf.
Von Andrea Schlaier
Die
Polizisten wollen alles wissen: Augenfarbe, Größe, besondere Merkmale,
vielleicht eine Zahnspange oder eine Brille, was Fatih (Name geändert) angehabt
hat, als er morgens mit der Schultasche über der Schulter die Tür hinter sich
zuschlug.
Fatih ist
13. Erst 13, sagen seine Eltern, er ist noch ein Kind. Seit Stunden fehlt jede
Spur von ihm. Von der Schule kam er nicht nach Hause, das passiert schon Mal,
sagen Mutter und Vater. Fatihs Teller steht seit dem Mittagessen unberührt auf
dem Küchentisch. Warten. Aus dem Fenster schauen. In immer kürzeren Abständen.
Telefonhörer richtig auflegen, Handydisplay checken. Wo ist der Junge, wo bleibt
das Kind? Zum Abendbrot ist er noch immer wie vom Erdboden verschluckt.
"Die
Maschinerie läuft bei uns ganz schnell an, sobald ein Kind vermisst gemeldet
wird", sagt Klaus Gmelch. Er leitet die Vermisstenstelle im K14 des
Polizeipräsidiums München. "Bei kleinsten Anzeichen schalten wir uns sofort mit
der Mordkommission oder anderen Fachdienststellen zusammen."
Das
Wahrscheinliche zuerst: "Der Schulweg wird abgesucht, der kann unter Umständen
eine gefährliche Geschichte sein." 600 Vermissungen, wie es im Fachjargon heißt,
wurden in Gmelchs Abteilung allein in diesem Jahr angezeigt. "Im Schnitt sind es
1500 bis 1600 pro Jahr. Doch in der überwiegenden Zahl der Fälle sind die Kinder
in drei Tagen oder spätestens nach einer Woche wieder daheim. "Sie sind von
zuhause abgehauen oder auch mal von Heimen, in denen sie untergebracht waren."
Lars
Bruhns kennt das Phänomen. Er ist Leiter der "Initiative vermisste Kinder" mit
Sitz in Timmendorfer Strand, die den "Tag des vermissten Kindes" am 25. Mai
heuer zusammen mit dem Weißen Ring ausrichtet. Den internationalen Gedenktag hat
1983 der damalige US-Präsident Ronald Reagan initiiert. Er sollte an den
sechsjährigen Etan Patz erinnern, der am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule
verschwand und seither als verschollen gilt.
In
Deutschland verschwinden jährlich 40.000 Minderjährige, sagt Bruhns. "98
Prozent kehren innerhalb von 14 Tagen glücklicherweise wieder zurück." Rund 1500
Kinder und Jugendliche gelten aber dauerhaft als unauffindbar. Auf Infoscreens
in U-Bahnhöfen und großflächigen Plakaten hilft die Außenwerbungs-Firma Ströer
neuerdings der Initiative beim Suchen. "Das Thema erlangt dadurch
Aufmerksamkeit", sagt Bruhns, "und erreicht potentielle Zeugen." Der kleinste
Hinweis könnte helfen.
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16.12.2008
Hilfe bekommt man in
Berlin rund um die Uhr
Kinderschutz-Hotline
(030) 61 00 66
Kindernotdienst: (030) 61
00 61
-
2390 Kinder wurden
im Land Brandenburg anno 2007 Opfer von Straftaten;
-
im Jahr davor waren es 2150
-
2005 noch 2258
-
Bei 675 dieser Fälle
handelt es sich um Sexualstraftaten.
-
Misshandlungen und
Vernachlässigungen beginnen oft bereits im
Säuglingsalter der Opfer.
-
FU-Studien zufolge
strafen bundesweit die Hälfte bis zu zwei Drittel
der Eltern irgendwann ihre Kinder in gewalttätiger
Weise – von der Ohrfeige bis zu Prügel.
-
Die Rückfallquote
von Tätern, die ihre Kinder vernachlässigen, liegt
in Deutschland bei ungefähr 66 Prozent.
-
Jahr für Jahr soll
es in der Bundesrepublik durchschnittlich zu 40 000
Fällen von Kindesmisshandlungen kommen.
-
968 Berliner Kinder
und Jugendliche wurden voriges Jahr ihren Familien
entzogen und in die Obhut der Jugendhilfe genommen,
um eine akute Gefahr von ihnen abzuwenden.
-
2006 betraf
Letzteres 910, 2005 noch 779 Personen.
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18.10.2008
Kinderschänder kommt auf freien Fuß
Schleswig (ddp-nrd). Ein als gefährlich
eingestufter Sexualstraftäter muss Anfang kommender Woche aus der Haft entlassen
werden. Eine Beschwerde der Kieler Staatsanwaltschaft gegen eine Entscheidung
des Kieler Landgerichts blieb vor dem Oberlandesgericht (OLG) Schleswig
erfolglos, wie eine Sprecherin am Freitag in Schleswig berichtete. Wie bereits
das Landgericht sah auch das OLG keine neuen Tatsachen, die im Falle des
61-Jährigen eine nachträgliche angeordnete Sicherungsverwahrung rechtfertigten.
Der Sexualstraftäter ist zu fünf Jahren Haft unter anderem wegen schweren
sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt. Im März 2007 hatte das Kieler
Landgericht zwar bereits Sicherungsverwahrung angeordnet. Wegen eines
Formfehlers hatte der Bundesgerichtshof diese Entscheidung jedoch aufgehoben.
Weil ein Gutachter krankheitsbedingt ausgefallen war, hatte das Gericht einen
neuen Experten beauftragen müssen. Dadurch war eine gesetzliche Frist nicht
eingehalten worden.
In den Fall hat sich auch Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD)
eingeschaltet. Er will mit einer Bundesratsinitiative eine Gesetzeslücke
schließen. Die Beratung der Initiative sei im Rechtsausschuss des Bundesrates
allerdings vertagt worden, sagte Döring. Er befürchte, dass vor der kommenden
Bundestagswahl keine Entscheidung mehr fallen werde. Zur aktuellen Entscheidung
sagte Döring: «Wir bedauern, dass das Oberlandesgericht die Beschwerde der
Staatsanwaltschaft Kiel abgelehnt hat.»
Quelle
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05.02.2007
Deutschlands gefährlichste Triebtäter
...und
sie kommen immer wieder frei!
Die Woche der Schande: Ein Frauenmörder und
ein Kinderschänder spazieren durch unsere Straßen. Justizpannen und
Gesetzeslücken machen es möglich.
Es ist
unfassbar: Zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Monaten ist in den neuen
Bundesländern ein Triebtäter auf freien Fuß gekommen, dessen Gefährlichkeit
für die Behörden außer Frage steht.
Besonders
peinlich: Während Uwe K. (42) nach elfjähriger Haft schon längst sein neues
Leben in Freiheit genoss, warnten Brandenburgs Politiker und Justizgrößen
noch vor seiner „bevorstehenden“ Entlassung aufgrund einer Gesetzeslücke.
Acht Tage
lang das große Behörden-Schnarchen: Weder Polizei noch Justizministerium
wussten von der Entlassung von Uwe K. am 25. Januar. Der Kinderschänder aus
Falkensee (Brandenburg), der elf Jahre lang jede psychologische Hilfe
abgelehnt hatte, hätte genug Zeit gehabt, sich ein nächstes Opfer zu suchen.
Am Freitag nahm ihn die Polizei erneut fest. Ein Amtsrichter entschied
gestern, dass Uwe K. zunächst bis Dienstagnachmittag in Gewahrsam bleiben
wird. Bis dahin soll geprüft werden, ob der Triebtäter dauerhaft in eine
psychiatrische Klinik eingewiesen werden kann.
Nicht die
einzige Blamage für den Rechtsstaat: 30 Polizisten sollen in Quedlinburg
(Sachsen-Anhalt) mit einer Rund-um-die-Uhr-Begleitung verhindern, dass ein
im Dezember freigelassener Frauenmörder erneut rückfällig wird. Der Aufwand
der „zeitlich unbegrenzten Maßnahme“ ist aberwitzig: Sobald Frank O. (40)
die elterliche Wohnung verlässt, „begleiten“ ihn Zivilpolizisten auf Schritt
und Tritt. Gestern machte er mit seinen Eltern einen Ausflug ins benachbarte
Niedersachsen. Bis zum Abend blieb unklar, ob er das Wechseln seines
Aufenthaltsorts angemeldet hatte, wie es die Auflagen der Führungsaufsicht
vorsehen.
Ein Skandal, der wütend macht
Über die –
pro Monat vermutlich sechsstelligen – Kosten des Polizeieinsatzes redet man
im Innenministerium nicht gern: „Man kann Sicherheit nicht mit Geld
aufwiegen“, sagt Sprecher Klaus-Peter Knobloch (45) zu BamS.
Warum aber
kam der Mann überhaupt aus dem Knast? Weil „wegsperren, und zwar für immer“
(Gerhard Schröder), viel leichter gesagt ist als getan. Die Lücken im
deutschen Paragrafendschungel sind so groß, dass selbst Serientäter mit
schlechter Sozialprognose immer wieder freikommen. Selbst wenn Richter es
wollen – sie können oft keine Sicherungsverwahrung anordnen.
Gesetzeslücke 1: Ost-Täter vor 1995
Gegen Frank O. konnten die Richter
1992 keine Sicherungsverwahrung anordnen, weil dies erst seit 1995 in den
neuen Bundesländern per Gesetz möglich ist. Und eine nachträgliche
Sicherungsverwahrung ist an strikte Vorgaben geknüpft. Im Fall von Frank O.
scheiterte sie daran, dass ihm Gutachter nur eine „mittelgradige“
Rückfallgefahr bescheinigten. Was laut zuständigem Magdeburger Landgericht
bedeutet: „Um die 50 Prozent“.
Dabei hat er
seine Unberechenbarkeit längst mehrfach bewiesen: 1983 erschlug er seine
Schwägerin († 26) mit einem Hammer, weil sie keinen Sex mit ihm wollte. Kaum
aus dem Gefängnis entlassen, versuchte er aus demselben Grund, eine
Arzthelferin (20) zu erstechen.
Einen
dritten Ausraster sollen nun die Bodyguards der Polizei verhindern. Klaus
Jansen (51), Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, kann über
diese Notlösung nur den Kopf schütteln: „Der Staat muss sich entscheiden:
Entweder der Betreffende ist noch gefährlich, dann gehört er weiterhin
hinter Schloss und Riegel. Oder er ist es nicht. Dann darf er nicht
überwacht werden.“
398 Männer
befinden sich in Deutschland derzeit in Sicherungsverwahrung. Das heißt,
dass sie über ihre Haftzeit hinaus auf unabsehbare Zeit eingesperrt bleiben,
weil sie gefährlich für die Allgemeinheit sind. Entsprechend schwer tun sich
Richter, dieses endgültige Urteil zu fällen. Entsprechend grauenvoll können
aber die Konsequenzen sein, wenn sie danebenliegen.
Den
Serien-Vergewaltiger Roland G. (44) wollten Bochumer Richter 2001 für immer
wegsperren, nachdem er im Schwimmbad zwei Mädchen sexuell missbraucht hatte.
Doch der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil. Als der 13fach vorbestrafte
Triebtäter freikam, nahm sich die Polizei vor, ihn ebenso wie jetzt den
Quedlinburger Killer im Auge zu behalten. Doch Roland G. tauchte unter. Und
vergewaltigte sechs Wochen später eine Hamburger Studentin.
Gesetzeslücke 2: Ersttäter
Oder der Fall der 2005 im Wald
ermordeten Carolin S. († 16) aus Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern):
Täter Maik S. (30) war eine Woche zuvor aus dem Gefängnis freigekommen,
nachdem er sieben Jahre wegen Vergewaltigung abgesessen hatte. Die Richter
konnten gegen den Ersttäter keine Sicherungsverwahrung anordnen. Auch
nachträglich nicht, denn: Im Gefängnis seien keine „neuen erheblichen
Tatsachen“ über die Bedrohlichkeit des Täters bekannt geworden, wie es im
Juristendeutsch heißt. Im Klartext: Auch er musste erst ein weiteres
Verbrechen begehen, um endgültig weggesperrt zu werden.
Gesetzeslücke 3: Junge Täter
Im Strafgesetzbuch steckt noch ein
weiteres Schlupfloch für gefährliche Triebtäter. Martin P. (30) aus München
nutzte es für ein schreckliches Verbrechen. P. hatte 1994 einen elfjährigen
Messdiener missbraucht und erstochen. Dafür war er zu neuneinhalb Jahren
Gefängnis verurteilt worden. Weil er zum Zeitpunkt der Tat erst 18 Jahre alt
war, wurde er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Und das kennt keine
Sicherungsverwahrung. P. kam 2004 frei und mordete erneut.
Tragische
Fälle wie dieser erhöhen den Druck auf die Politik. Die Zeit drängt, denn
gerade im Osten steht eine Reihe weiterer gefährlicher Triebtäter kurz vor
der Entlassung. Brandenburgs Generalstaatsanwalt Dr. Erardo Rautenberg nennt
sie „menschliche Zeitbomben“.
Auch der
Deutsche Richterbund (DRB) ist mit seiner Geduld am Ende. Sein
stellvertretender Vorsitzender, Christoph Frank (54), zu BamS: „Zwar
betreffen die Gesetzeslücken nur wenige, dafür aber sehr gefährliche Täter.
In diesen Fällen muss der Schutz der Öffentlichkeit künftig absolut
gewährleistet sein. Vor einer möglichen Entlassung muss die Gefährlichkeit
solcher Straftäter noch einmal überprüft werden.“
Im Mai 2006
hat der Bundesrat einen Gesetzentwurf zur „Stärkung der nachträglichen
Sicherungsverwahrung“ beschlossen. Mit einer Empfehlung der Bundesregierung
leitete die Kanzlerin ihn im Frühsommer an den Bundestag weiter. Seither hat
die Koalition manches beschlossen: Steuern wurden erhöht, Sparerfreibeträge
gestrichen, das Gesundheitssystem reformiert. Ein neues
Sicherungsverwahrungsgesetz ist nicht in Sicht. Von JÖRG DIEHL, ALBERT LINK
und PETER ROSSBERG
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28.01.2007
Dreck, Ungeziefer, Gestank
Immer wieder werden Kinder aus verwahrlosten Wohnungen geholt
Berlin (ddp). Verstopfte Toiletten, Schimmel im
Kühlschrank, Ungeziefer in den Zimmern, überall bestialischer Gestank - immer
öfter holen Polizisten Kinder aus völlig verwahrlosten Wohnungen. Allein seit
Jahresbeginn sind in Deutschland mindestens sieben Fälle bekannt geworden, bei
denen mehr als 20 Jungen und Mädchen in katastrophalen Verhältnissen lebten.
«Die ersten drei Wochen 2007 lassen nichts Gutes erahnen», sagt der Präsident
des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, im ddp-Interview. «Und die
zunehmende Zahl der Fälle liegt längst nicht nur an der größeren Sensibilität
der Nachbarn», weiß der Experte. Erst jüngst trafen Beamte in
Berlin-Reinickendorf sechs Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren
in einer Wohnung an, deren Zustand selbst hartgesottene Ermittler fassungslos
gemacht hat. Zuvor waren sieben meist Minderjährige ebenfalls in Berlin in einer
verdreckten Wohnung entdeckt worden. In Nürnberg retten Polizisten eine
Zweijährige und ihren vierjährigen Bruder aus Müllbergen.
Hilgers befürchtet, dass die Fälle von Vernachlässigung bundesweit «drastisch»
gestiegen sind. Zwar gebe es noch keine abschließende Statistik für 2006, jedoch
sei schon aus der Vielzahl der bekannt gewordenen Einzelschicksale zu schließen,
dass mit zunehmender Armut auch immer mehr Kinder unter verwahrlosten
Wohnverhältnissen leiden müssen.
2005: bundesweit 1178 Fälle
Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasste 2005
bundesweit 1178 Fälle, in denen Eltern ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht
verletzten. 2003 ermittelten die Statistiker 1240 Fälle, wie eine BKA-Sprecherin
in Wiesbaden sagt. Vor einem Jahrzehnt waren es 1020.
Der Kinderschutzbund geht von einer hohen Dunkelziffer aus. »Wir kennen immer
mehr Fälle als die Polizei«, sagt Hilgers. Andere Statistiken sprächen auch von
rund 2900 Vernachlässigungsfällen für 2005. Der Bielefelder
Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann schätzt, dass rund 80 000 Jungen und
Mädchen im Alter bis zu zehn Jahren von extremer Vernachlässigung durch ihre
Eltern bedroht sind.
Nach Angaben des Kinderschutzbundes hat sich die Zahl armer Kinder in
Deutschland seit 2004 mehr als verdoppelt. Von 15 Millionen Kindern hätten 2,5
Millionen «kaum Bildungschancen» und lebten "mit einem hohen Gesundheitsrisiko».
Überwiegend liebevoller Umgang mit Kindern
»Familien, die keine Perspektiven mehr für
sich sehen, übertragen dies oft auf ihre Kinder«, sagt der Geschäftsführer des
Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Werner Hesse. Er warnt jedoch
davor, von der sozialen Not einer Familie pauschal abzuleiten, dass die Kinder
vernachlässigt würden. Der überwiegende Teil der finanziell schlecht gestellten
Eltern gehe «sehr liebevoll» mit den Kindern um, fügt Hilgers hinzu.
Er beklagt, dass für Präventionsmaßnahmen oft das Geld fehle. «Viele Jugendämter
sind so schlecht finanziell und personell ausgestattet, dass sie ihre Aufgaben
nicht mehr wahrnehmen können», sagt Hilgers. Es reiche nicht aus, alle drei
Monate eine Problemfamilie zu besuchen. «Normalerweise muss es in schweren
Fällen eine zwei- bis dreijährige Intensivbetreuung geben, bei der Sozialhelfer
zwei- bis dreimal wöchentlich hinschauen», fordert er.
Vernachlässigte Jungen und Mädchen wüchsen zu «weit mehr als 90 Prozent» in
Familien auf, die von «Hartz IV» und Perspektivlosigkeit betroffen seien, sagt
der Kinderschutz-Präsident.
Bei vielen Problemfällen hätten die zumeist jungen Eltern in ihrer Kindheit
selbst nicht ausreichend elterliche Zuwendung erfahren. Deshalb will nach
Niedersachsen und Bremen ab Ende März auch Sachsen in vier Modellregionen mit
dem Frühwarnsystem Pro Kind starten. Junge Mütter und Eltern sollen dann in
schwierigen Lebenslagen unterstützt und ein Stück begleitet werden. Anzeichen,
die eine familiäre Fehlentwicklung zur Folge haben könnten, sollen so früh wie
möglich erkannt werden. Quelle
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14.01.07
Zurückgekehrte Kinder nach
teils jahrelanger Entführung
Hamburg/dpa. So wie die
beiden amerikanischen Jungen sind immer wieder Kinder
nach teils jahrelangen Entführungen aufgetaucht. dpa
listet einige Fälle auf:
August 2006:
Die heute 18 Jahre alte Natascha Kampusch aus Wien
taucht nach acht Jahren wieder auf. Das Mädchen war im
Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt und in
einem Verließ unter der Garage ihres Kidnappers gefangen
gehalten worden. Kampusch gelang schließlich die Flucht,
der Täter nahm sich am selben Tag das Leben.
1997:
Nach einem Hausbrand in Philadelphia (USA) gehen die
Behörden davon aus, dass ein damals zehn Tage altes
Mädchen in den Flammen ums Leben gekommen ist. Die
Mutter glaubt nicht an den Tod ihres Kindes. Sechs Jahre
sieht sie auf einem Kindergeburtstag ein Mädchen, das
ihr selbst und ihren anderen Kindern ähnlich sieht.
DNA-Tests beweisen schließlich, dass es sich tatsächlich
um ihre Tochter handelt. Das Mädchen war von der
Brandstifterin entführt worden, die Frau hatte es als
ihr eigenes Kind ausgegeben.
Mai 1996:
Sabine Dardenne ist auf dem Weg zur Schule, als der
belgische Kinderschänder Marc Dutroux und ein Komplize
die damals Zwölfjährige vom Fahrrad reißen. Sie muss bis
zu ihrer Befreiung 80 Tage im Keller des Dutroux-Hauses
in Marcinelle ausharren.
1991:
In Dessau (Sachsen-Anhalt) verschwindet ein drei Monate
alter Junge. Er wird von einer Frau und deren
Lebensgefährten entführt und nach Duisburg gebracht. Die
Frau hat kurz zuvor eine Fehlgeburt gehabt. Der Junge
wird bei Polizei und Jugendamt als polnisches Findelkind
gemeldet. Schließlich zeigt ihr neuer Lebensgefährte die
Frau an. Ende 1993 wird das Kind gesund und munter in
Duisburg gefunden.
Dezember 1990:
Unbekannte entführen die 14 Monate alte Crystal Anzaldi
aus San Diego (Kalifornien). Sieben Jahre später wird
das Mädchen nach einer Anzeige wegen Kindesmisshandlung
bei einer 35-Jährigen in Puerto Rico gefunden.
Februar 1981:
Ein zwölfjähriges Mädchen aus Kalifornien wird von einem
Arbeiter entführt. Er soll das Kind in seinem Haus
mehrfach sexuell missbraucht haben, bevor er es fünf
Monate später zu den Eltern zurückschickt.
Februar 1980:
Der fünfjährige Timothy White wird in den USA entführt.
Wenige Wochen später bringt ihn der 14-jährige Steven
Stayner zur Polizei. Dabei stellt sich heraus, dass
beide Jungen von einem 48-Jährigen gekidnappt worden
sind - Steven bereits 1972.
August 1979:
Aus einem Ferienbungalow auf Sardinien verschwindet eine
15-Jährige mit ihren Eltern. Der Vater wird nach 15
Tagen freigelassen, die Mutter nach einer
Lösegeldzahlung im Januar 1980. Im März kommt auch das
Mädchen nach einem Appell des Papstes frei.
1978:
Ein vier Monate altes Mädchen wird aus einem Kinderheim
im US-Bundesstaat Indiana entführt und von seinen «neuen
Eltern» - einem Baptisten-Priester und seiner Frau - 20
Jahre lang gequält und missbraucht. Erst 1997 entdecken
Ärzte zufällig die schweren Misshandlungen und
alarmieren die Polizei.
Quelle
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21.12.2006
Traurige Chronik 2004/2006
Immer wieder sorgen Fälle von
Kindesvernachlässigung oder -misshandlung für Entsetzen. Eine Chronik:
5. Januar 2004: Die dreijährige Karolina
wird kahl geschoren und sterbend von der Mutter in einer Tasche auf der Toilette
im Krankenhaus des bayerischen Weissenhorn abgestellt. Das Kind war vom
Liebhaber ihrer der Frau tagelang ausgepeitscht, verbrannt, verbrüht, in den
eiskalten Keller gesperrt und so brutal misshandelt worden, dass das Mädchen am
Ende eine Hirnblutung erleidet. Das Paar wird auf der Flucht in Italien
verhaftet. Beide werden im Mai 2006 vom Landgericht München zu einer
lebenslangen Haft verurteilt.
Juni 2004: Bei einer Hausdurchsuchung in
einer Cottbuser Wohnung entdeckt die Polizei in der Kühltruhe die Leiche des auf
Haut und Knochen abgemagerten Dennis. Der Sechsjährige war zweieinhalb Jahre
zuvor völlig entkräftet gestorben. Die Eltern werden wegen Mordes zu
lebenslanger Haft verurteilt.
Juli 2004: Die zweijährige Michelle stirbt
in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg an einem Hirnödem als Folge einer
Mandelentzündung. Trotz des lebensbedrohlichen Zustandes ihres Kindes hatten die
Eltern keine ärztliche Hilfe geholt. Das Landgericht Hamburg verurteilt sie im
Februar 2006 wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und
Erziehungspflicht zu je drei Jahren Haft.
3. März 2005: Die völlig abgemagerte und
entkräftete siebenjährige Jessica erstickt an Erbrochenem in der Wohnung ihrer
Eltern in Hamburg. Jessicas Eltern werden im November 2005 vom Hamburger
Landgericht wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, weil sie ihr
Kind auf qualvolle Weise verhungern liessen.
Frühjahr 2005: In Sachsen-Anhalt stirbt
der zweijährige Benjamin. Seine skelettierte Leiche wird ein Jahr später auf dem
Grundstück seiner Eltern in Schlagenthin in einer Mülltonne gefunden. Wegen
Misshandlung von Schutzbefohlenen werden die Eltern im November 2006 zu
viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ursache des Todes von Benjamin war nicht
mehr eindeutig nachzuweisen.
10. November 2005: Eine 21-jährige Frau
meldet ihren zweijährigen Sohn Tim bei der Polizei in Elmshorn als vermisst.
Sechs Tage später entdeckt die Polizei die Leiche des Jungen in einer
Sporttasche, die dem 38-jährigen Freund von Tims Mutter gehört. Tim ist an einer
Hirnschwellung nach «roher und heftiger Misshandlung» durch den 38-Jährigen
gestorben. Das Landgericht Itzehoe verurteilt ihn zu 13 Jahren Haft.
17. November 2005: In Bochum stirbt ein
sieben Monate alter Junge, nachdem er vom Lebensgefährten der Mutter absichtlich
mit heissem Wasser verbrüht worden war.
25. Dezember 2005: Der 17 Monate alte
Justin wird von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht. Der Junge ist mit
Rotkohl vollgestopft. Am 4. Januar stirbt das Kleinkind an Hirnversagen. Die
24-jährige Mutter und ihr 23-jähriger Lebensgefährte werden im November wegen
Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Kindesmisshandlung zu vier
beziehungsweise neun Jahren Haft verurteilt. Der 23-Jährige hatte Justin so
stark geschüttelt, dass er eine tödliche Hirnverletzung erlitt. Die Mutter hatte
dem Kind Rotkohl in den Mund gestopft, obwohl es auf Grund der Hirnverletzung
nicht mehr husten und schlucken konnte.
11. Mai 2006: Die dreijährige Layla aus
Mannheim stirbt an inneren Blutungen nach Misshandlungen durch den
Lebensgefährten ihrer Mutter. Der 25-Jährige wird im November wegen Mordes zu
lebenslanger Haft verurteilt.
10. Oktober 2006: Vom Jugendamt um
Amtshilfe gebetene Polizeibeamte finden in Bremen die Leiche des zweijährigen
Kevin im Kühlschrank seines vermeintlichen Vaters. Der Körper des toten Kindes
weist zahlreiche Knochenbrüche auf. Der drogenabhängige und mehrfach wegen
Gewaltdelikten vorbestrafte Mann - der Lebensgefährte von Kevins Mutter, die
inzwischen gestorben ist - behauptet, es habe sich um einen Unfall gehandelt.
Doch die Obduktion ergibt, dass die Verletzungen vermutlich auf äussere
Gewalteinwirkungen zurückgehen. Das Amtsgericht Bremen erlässt Haftbefehl wegen
des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener und des Totschlags.
11. Oktober 2006: In München sticht eine
alkoholisierte 46-Jährige auf ihren zweijährigen Sohn ein und verletzt ihn
lebensgefährlich. Das Kleinkind wird mit einer Notoperation gerettet.
13. Oktober 2006: In einer Wohnung in
Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) wird die Leiche der sieben Wochen alten Leonie
entdeckt. Gegen die 33-jährige Mutter werden Ermittlungen wegen Totschlags und
unterlassener Hilfeleistung aufgenommen.
16. Oktober 2006: In Zwickau stirbt ein
mangelernährter vierjähriger Junge nach Misshandlungen an massiven
Hirnblutungen. Gegen die 28-jährige Mutter und ihren 45-jährigen Lebensgefährten
wird Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.
4. November 2006: Die Polizei in Gifhorn
informiert über den Fall der kleinen Nadine, die seit mindestens drei Jahren tot
ist. Die Eltern gaben jahrelang ein anderes Kind als Nadine aus. Ihren Angaben
zufolge starb die Kleine im Januar 2003 nach einem Sturz von ihrem Hochbett. Die
Polizei ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge und der Misshandlung
Schutzbefohlener. Der Vater wird festgenommen.
16. November 2006: In Berlin wird unter
einem Auto ein Baby mit schweren Kopfverletzungen gefunden. Der kleine Junge
stirbt knapp eine Woche später. Seine Mutter wird wegen versuchten Totschlags
und Misshandlung von Schutzbefohlenen festgenommen.
14. Dezember 2006: Der knapp zehn Monate
alte Leon Sebastian wird in einer Wohnung in Sömmerda in Thüringen aufgefunden.
Er ist verdurstet. Seine dreijährige Schwester wird unterernährt ins Krankenhaus
gebracht. Gegen die Mutter wird wegen Totschlags und Aussetzung mit Todesfolge
Haftbefehl erlassen.
Quelle
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16.12.2006
Wochenlang in
den Schlagzeilen
Zahlreiche Verbrechen sorgen 2006 für Entsetzen
Berlin (ddp). Mehr
als 17 000 Straftaten werden der Polizei in Deutschland täglich gemeldet.
Doch nur relativ wenige Fälle bestimmten 2006 wochenlang die Schlagzeilen.
Das wohl abscheulichste Verbrechen erschütterte gleich zu Jahresbeginn die
Republik: Ein 36-jähriger Dresdner entführte am 11. Januar die damals
13-jährige Stephanie auf dem Weg ins Gymnasium. Der arbeitslose Anlagenbauer
Mario M. hielt die Schülerin 36 Tage in seiner Gewalt, missbrauchte sie
dutzendfach, bis jemand einen Zettel mit den Hilferufen des Mädchens neben
einem Altpapiercontainer fand. Am 14. Dezember wurde der Täter zur
Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt. Zudem ordnete das Landgericht Dresden
seine anschließende Sicherungsverwahrung an.
Ein ähnlich
schreckliches Verbrechen wurde im Frühsommer aus dem mecklenburgischen
Teterow bekannt. Eltern sollen dort schon seit Jahren ihre Tochter mit Säure
misshandelt haben. Die 26 Jahre alte Mutter wird beschuldigt, Lea-Maria seit
2002 in 27 Fällen pure Kalkreinigerlösung und Essig eingeflößt zu haben.
Dabei soll die Dosierung von Mal zu Mal erhöht worden sein. Der 29-jährige
Vater hat laut Anklage das Kind, das zu Beginn der Qualen sechs Monate alt
war, brutal geschlagen. Der Fall war erst im Juni durch Kinderärzte
aufgedeckt worden, als die Frau das Mädchen nach einer erneuten Verätzung in
einer Arztpraxis vorgestellt hatte. Die in Untersuchungshaft sitzende Mutter
räumte im Gerichtsprozess die Taten ein. Das Urteil soll Mitte Januar
gesprochen werden.
Tod durch Ersticken
In Dortmund sorgte
im Oktober der Fall einer 26-Jährigen für Entsetzen. Die Mutter soll
zwischen 2001 und 2004 ihre drei Kleinkinder mit einem Kissen erstickt
haben. Bei den Behörden gab sie als Todesursache jeweils plötzlichen
Kindstod an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zu den drei mutmaßlichen
Morden. Nach Behördenangaben machte die Frau den Eindruck, als kümmere sie
sich um ihre Kinder. Sie sitzt in Untersuchungshaft.
Der hessischen
Polizei gelang es Ende August, eine grauenvolle Frauenmordserie aufzuklären.
Einem 29-Jährigen werden drei vollendete Morde und eine versuchte Tötung in
Hessen und Nordrhein-Westfalen vorgeworfen. Der Mann habe die Taten
gestanden, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft. Der mutmaßliche
Serienmörder war bislang für die Ermittler ein weitgehend unbeschriebenes
Blatt. Das Motiv des verheirateten Lkw-Fahrers ist unklar. Seine vier Opfer
im Alter von 18 bis 32 Jahren traf er auf Dienstfahrten. Die erste Tat
geschah im November 2003 in Köln, die beiden anderen Mordfälle im Oktober
2005 in Dillenburg und im Juli dieses Jahres in Kassel. Das versuchte
Tötungsdelikt ereignete sich im Oktober 2004 in Köln.
Das erschreckende
Geständnis eines weiteren Fernfahrers beschäftigt die Staatsanwälte in
Bamberg. Ein Mitte November wegen Mordverdachts bei Köln festgenommener
47-Jähriger aus dem Raum Hof will sechs Frauen zwischen 1999 und 2006 in
Spanien und Frankreich sowie 1974 in der DDR umgebracht haben. Nach den
spanischen haben inzwischen auch die deutschen Behörden einen Haftbefehl
erlassen. Damit solle verhindert werden, dass der Mann nach Spanien
ausgeliefert wird, wo er des Mordes an drei Prostituierten beschuldigt wird.
Seit 2003 fertigte der mutmaßliche Mörder von seinen Opfern Lichtbilder an
und nahm persönliche Gegenstände wie Haarteile und Frauenkleider an sich.
Diese Beweise stellte die Polizei sicher.
Mordprozess ohne
Leichen
Das plötzliche
Verschwinden einer 37-jährigen Mutter und ihrer sieben Monate alten Tochter
schockierte im Juni Hannover. Die Frau und ihr Kind sind nach Überzeugung
der Staatsanwaltschaft einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Wie sie ermordet
wurden, ist unklar. Die Leichen sind spurlos verschwunden. Der mutmaßliche
Mörder, der Ex-Freund der Frau und Vater des Mädchens, muss sich im neuen
Jahr wegen zweifachen Mordes vor Gericht verantworten. In dem
Indizienprozess wird dem 37-Jährigen vorgeworfen, die beiden getötet zu
haben, weil sie ihm offenbar aufgrund der Unterhaltszahlungen zu teuer
wurden. Der Angeklagte soll die Morde minutiös geplant und ausgeführt haben.
In der Wohnung der Frau war eine Blutlache entdeckt worden. Unter den
Turnschuhen des Angeklagten fand man Blutspuren, die seiner Ex-Freundin
zugeordnet wurden.
Im September
töteten in Frankfurt (Oder) zwei Schüler einen Obdachlosen. Den beiden
Minderjährigen wirft die Staatsanwaltschaft Mord und schweren Raub vor. Die
Jugendlichen sollen den in der Wohnung eines Bekannten übernachtenden
56-Jährigen mit einem Messer bedroht und dann tödlich verletzt haben.
Während der Mann allmählich verblutete, sollen sie die Wohnung durchsucht
haben und mit einer laut Staatsanwaltschaft «äußerst geringen Beute»
geflüchtet sein.
Ein Verbrechen, das
nicht nur für die Bewohner von Annaberg-Buchholz noch immer unfassbar ist,
ereignete sich im Mai in der Erzgebirgsstadt. Ein 14-jähriger Schüler
brachte im Streit um einen MP3-Player die ein Jahr jüngere Jennifer um. Der
Jugendliche gestand im Prozess im Wesentlichen die Tat. Er habe das Mädchen
auf den Kopf geschlagen und sie gewürgt, «bis sie nicht mehr zappelte», wie
die Polizei aus einer Vernehmung zitierte. Die Leiche hatte der heute
15-Jährige in einem Abrisshaus versteckt, wo sie erst nach drei Tagen
gefunden wurde. Der Täter hatte derweil ganz normal die Schule besucht und
soll sich sogar an der Suche beteiligt haben. Er wurde vom Landgericht
Chemnitz zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und drei Monaten
verurteilt. Quelle
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24.08.2006
Vermisste Minderjährige in Österreich
Die meisten
Jugendlichen auf der Fahndungsliste sind Ausreißer, die innerhalb
kürzester Zeit wieder auftauchen. Gewalttätige Entführungen sind selten.
In Österreich
sind derzeit rund 750 bis 800 Personen vermisst, 150 bis 200 davon sind
unter 18 Jahre alt, erklärte Regine Wieselthaler-Buchmann, zuständig für
Kapital- und Sicherheitsdelikte im Bundeskriminalamt (BKA). Gerade die
Zahl der unter 18-Jährigen würde dabei täglich schwanken, da viele der
Abgängigen Jugendliche sind, die nach ein paar Tagen wieder unversehrt
auftauchen. Gewalttätige Entführungen - wie im Fall von Natascha
Kampusch - sind nur höchst selten Hintergrund für das Verschwinden.
Der Großteil
der Jugendlichen auf der Fahndungsliste sind Ausreißer, die innerhalb
kürzester Zeit wieder von selbst nach Hause zurückkehren oder von der
Polizei gefunden werden. Ein beachtlicher Teil entfällt auch auf
Kindesentziehungen, bei welchen ein Elternteil - meistens nicht der
Erziehungsberechtigte - das Kind mit sich nimmt. Weiters befinden sich
darunter auch eine geringe Zahl an Unglücksfällen.
Trotz Warnungen
der Eltern, nicht mit Fremden mitzugehen, gebe es jedoch leider noch
immer einige Kinder, die auf die so genannten Zuckerkätzchen - also
Zuckerl verteilende Personen - hereinfallen, so Wieselthaler-Buchmann
gegenüber der APA. In den Schulen würde diesbezüglich verstärkt
präventiv gearbeitet und aufgeklärt, dennoch passiere es immer wieder,
dass Kinder mit Bekannten oder Personen, die sie bereits mit ihren
Eltern gesehen haben, mitgehen würden. Quelle
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24.
August 2006
Jährlich 2000 Vermisstenanzeigen
EU plant bis Jahresende
einheitliche Hotline für ganz Europa
Pro Jahr werden in Österreich mehr als 2000 Kinder
und Jugendliche als abgängig gemeldet. 90 Prozent der Anzeigen können meist
rasch widerrufen werden, weil die Gesuchten wieder auftauchen. Oft handelt es
sich um klassische "Ausreißer", derzeit sind rund 200 Fälle offen.
Eine internationale Vermisstenfahndung über Interpol
wird auf jeden Fall eingeleitet, wenn ein Verbrechen befürchtet wird. Auf der
Suchhomepage des Innenministeriums (siehe Webtipp) wird derzeit nach zwei
Kindern gefahndet: Ingrid (9) und Phillip (6) Ehmann. Die Kinder aus Stein am
Anger sind seit 25. November 2004 abgängig, mit großer Wahrscheinlichkeit
befinden sich sich bei ihrem Vater Johann Ehmann (53). Dem Mann wurde das
Sorgerecht entzogen, sein Aufenthalt ist unbekannt.
Auch die EU-Kommission sammelt Daten von vermissten
Personen. Demnach sind in Italien im Vorjahr 1850 Minderjährige spurlos
verschwunden, in Belgien 1022 Kinder und Jugendliche. In Großbritannien
registriert die Polizei jährlich rund 400 Fälle von Kindesentführungen. Einige
Opfer tauchten - ähnlich wie Natascha Kampusch - erst nach Jahren wieder auf.
Bis Jahresende will die EU eine europaweite, rund um die Uhr besetzte Hotline
für Vermisstenfälle schaffen. (simo, DER STANDARD - Printausgabe, 25. August
2006) Quelle
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22.06.2006
Absenkung der Schamgrenze
Neuer Trend bei
gefilmten Vergewaltigungen
Villingen/Offenburg (ddp). Die jüngsten Fälle des Filmens von Vergewaltigungen
durch Jugendliche in Deutschland haben eine Diskussion über die Ursachen des
Phänomens ausgelöst. Der Kriminalsoziologe Joachim Kersten sieht in solchen
Vorfällen eine «Verschiebung ethischer Grenzen». Es sei «ein neuer Trend»,
Vergewaltigung und Erniedrigung mit dem Handy zu filmen und anschließend damit
anzugeben, sagte Kersten. Der Professor für Soziologie an der
Polizeifachhochschule in Villingen-Schwenningen sprach von einer «Absenkung der
Schamgrenze».
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenburg sagte zu entsprechenden Taten im
südbadischen Ortenaukreis, hier seien offenbar Hemmungen beiseite geschoben
worden. Solche »in der Region bislang nicht gekannten« Vorfälle hätten bei der
Polizei «Erstaunen» ausgelöst.
Medienkonsum und Internet
Allein in Baden-Württemberg hat sich nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA)
die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen bei Vergewaltigungen und sexuellen
Nötigungen von 33 im Jahr 1995 auf 131 im Jahr 2004 vervierfacht. LKA-Sprecher
Horst Haug sagte, hier spielten der Medienkonsum Jugendlicher und die im
Internet zugänglichen Bilder sicher eine Rolle. Dazu komme, dass in manchen
Kreisen für solche Verbrechen »das Unrechtsbewusstsein fehlt«.
Erst jetzt hatte die Polizei Offenburg mitgeteilt, dass kürzlich ein 17-jähriges
Mädchen im Ortenaukreis von drei Jugendlichen vergewaltigt und dabei gefilmt
wurde. Ein vierter Jugendlicher habe die Tat mitbekommen, ohne einzugreifen. Im
Mai sollen zudem vier Jugendliche eine 16-jährige in einem Berliner Volkspark
vergewaltigt und die Tat mit einer Handy-Kamera aufgenommen haben. Anfang März
hatte die Polizei an einer Schule in Immenstadt im Allgäu rund 200 Handys
beschlagnahmt, auf 15 davon wurden verbotene Inhalte wie Gewaltvideos gefunden.
Auslöser für solche Taten ist nach Einschätzung Kerstens neben dem Medienkonsum
der Jugendlichen auch der Wunsch, Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit der Weitergabe
von Gewalt-Filmen oder -Fotos per Handy sei oft auch ein Statusgewinn innerhalb
der Clique verbunden.
Emotionale Auseinandersetzung
Nach Kerstens Auffassung sollte bei solchen Delikten überdacht werden, «ob
die übliche Jugendgerichts-Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch
die richtige Schiene ist». Ihn ärgere es, wie »cool« jugendliche Schläger oder
Vergewaltiger vor Gericht aufträten. Die Täter müssten dazu gebracht werden,
»Scham über begangenes Unrecht zu empfinden« und sich »emotional mit dem Schaden
auseinander zusetzen«. Politik und Justiz sollten »darüber nachdenken«, ob hier
statt Ausschluss der Öffentlichkeit eine Verhandlung mit einem Mediator sowie
den Familien der Täter und des Opfers nicht der sinnvollere Weg sei.
Nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft Offenburg, Roland Stumpp, wird
voraussichtlich in den nächsten zwei bis drei Wochen Anklage gegen die drei
Jugendlichen erhoben, die die 17-Jährige vergewaltigt haben sollen. Einer der
drei Hauptbeschuldigten im Alter von 16 bis 18 Jahren habe die Tat mit einem
Fotohandy in »Videosequenzen« gefilmt. Die mutmaßlichen Täter stammten aus einem
»normalen, nicht randständigen» familiären Milieu. Der Oberstaatsanwalt wies
darauf hin, dass zunehmend auch Jugendliche aus scheinbar geordneten häuslichen
Verhältnissen auffällig würden. Quelle
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Jeder Fall ist dramatisch
Kommissariat für Kindesmisshandlungsdelikte in
Berlin
Berlin (ddp). Für Michael Havemann ist Gewalt gegen
Kinder trauriger Alltag. «Es gibt nichts, was es nicht gibt», berichtet der
Kriminaloberrat von seinen Erfahrungen in Berlin. Kinder würden mit allem
misshandelt, was gerade greifbar ist - mit Bügeleisen, Gürteln, Handfegern oder
Teppichklopfern. Manche Eltern verbrühten ihre Kinder auch mit heißem Wasser.
Havemann weiß, wovon er spricht. Der 44-Jährige ist Leiter des bundesweit
einzigen Kommissariats, das sich ausschließlich mit Delikten an Schutzbefohlenen
beschäftigt.
«Jeder Fall von Kindesmisshandlung ist dramatisch», sagt Havemann. In einem der
schlimmsten Fälle, die er bearbeitet hat, hielt ein Vater die Misshandlungen an
seinem Kind mit dem Fotoapparat fest. Auch habe der Mann die Brüder des Kindes
dazu angehalten, es zu quälen. Das Kind sei an den Folgen gestorben. Am meisten
entsetzt es den Dezernatsleiter aber, dass der Täter Sozialpädagoge von Beruf
war.
Traurige Spitzenposition
Fast jeden Tag müssen Havemann und seine Kollegen ausrücken. Berlin nimmt bei
der Zahl von Kindesmisshandlungen sowie der Verletzung der Fürsorge- oder
Erziehungspflicht einen traurigen Spitzenplatz in der Bundesrepublik ein. In der
Hauptstadt hat die Polizei im vergangenen Jahr 398 Kindesmisshandlungen
registriert. Damit geschah mehr als jede siebte Kindesmisshandlung in Berlin. In
Hamburg wurden im Vergleich 25 Fälle von Kindesmisshandlung gemeldet.
Die Zahl der registrierten Fälle in der Hauptstadt habe sich in den vergangenen
zehn Jahren fast verdoppelt, führt der Kriminalpolizist an. Dies liege aber vor
allem daran, dass sein Dezernat «das Dunkelfeld aufhellt», betont er. Auch sei
die Gesellschaft mittlerweile stärker für das Thema Kindesmissbrauch
sensibilisiert. Verwandte, Erzieherinnen und Lehrer schalteten jetzt häufiger
die Polizei ein. Rund 150 Menschen haben Havemann zufolge im vergangenen Jahr
die spezielle Hotline des Dezernats angerufen. In fast jedem zweiten Fall führte
dies zu einer Anzeige.
Seltener Kontakt von Kinderärzten zur Polizei
«Dennoch schauen bei Kindesmisshandlung immer noch zu viele Menschen weg»,
kritisiert der Kriminaloberrat. Vor allem Kinderärzte suchten zu selten den
Kontakt zur Polizei, wenn sie einen Verdacht hätten. Die Mediziner beriefen sich
häufig auf ihre Schweigepflicht, obwohl sie strafrechtlich nichts zu befürchten
hätten, da das Kindeswohl ein höheres Rechtsgut sei als die Einhaltung der
Schweigepflicht. Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem ein Arzt wegen der Meldung
einer Kindesmisshandlung angezeigt worden wäre, betont der Dezernatsleiter.
Wenn die Polizisten des Berliner Dezernats in einem Fall ermitteln, suchen sie
nach den Worten Havemanns auch immer das ärztliche Untersuchungsheft der Kinder.
Die so genannten U1 und U2 seien häufig noch im Krankenhaus vorgenommen worden.
Die restlichen Untersuchungen ließen die Eltern von misshandelten Kindern aber
häufig aus. «Von der Geburt bis zur Einschulung können Eltern ihre Kinder quasi
jeder sozialen Kontrolle entziehen», führt der Polizist an.
Havemann steht daher Forderungen zur Einführung einer gesetzlichen Pflicht zur
Vorsorgeuntersuchung positiv gegenüber. Die Krankenkassen könnten dann
kontrollieren, ob die Eltern die Kinder zum Arzt bringen und gegebenenfalls das
Jugendamt einschalten.
Der Polizist appelliert auch an Nachbarn, Verwandte, Erzieherinnen und Lehrer,
beim Verdacht auf Kindesmisshandlung früher die Polizei einzuschalten. «Wenn das
Bauchgefühl sagt, da stimmt was nicht, ist meist was dran.» Auch wenn die
Kleinen häufig schreien, sollte die Polizei gerufen werden, betont er. Denn wenn
die Schreie verstummten, sei es manchmal schon zu spät.
(Hotline des Kommissariats für Delikte an Schutzbefohlenen beim LKA Berlin: 030
/ 46 64 91 25 55)
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06.10.2005
Kindesmisshandlung in Berlin im
Deutschlandvergleich
Berlin (ddp-bln). In Berlin hat die Polizei im
vergangenen Jahr 398 Kindesmisshandlungen registriert. Zehn Jahre zuvor wurden
219 Fälle gemeldet. Die Ermittler gehen insgesamt von einer hohen Dunkelziffer
aus. Bundesweit wurden im Jahr 2004 mehr als 2900 Kinder misshandelt. Damit
stammte mehr als jedes siebte misshandelte Kind in Deutschland aus Berlin. Auf
100 000 Einwohner in der Hauptstadt kamen 11,75 misshandelte Kinder.
Am zweithäufigsten wurden 2004 Kinder in Brandenburg misshandelt. Hier
registrierte die Polizei 5,59 misshandelte Kinder je 100 000 Einwohner. Die
geringste Häufigkeitszahl verzeichnete die Polizei in Hamburg mit 1,44. Hier
wurden im vergangenen 25 Kinder misshandelt.
Auch bei der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht belegt Berlin einen
Spitzenplatz. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 255 Fälle. Dies sind
7,53 Kinder je 100 000 Einwohner. In Sachsen-Anhalt lag dieser Wert bei 3,80, in
Brandenburg bei 3,61. Die geringsten Häufigkeitszahlen gab es in Hessen mit 0,56
und Hamburg mit 0,69. Quelle
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15.08.2004
Kriminalitätsanstieg:
Deutlich mehr Fälle von
sexuellem Missbrauch an Kindern
Potsdam (ddp-lbg). In Brandenburg ist ein Anstieg bei der Kriminalität zu
verzeichnen. Im ersten Halbjahr habe die Polizei 118 758 Straftaten registriert,
sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) in Potsdam. Das entspreche einem
Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent. Zugleich sei die Aufklärungsquote
mit fast 60 Prozent so hoch wie nie zuvor, betonte der Minister. Brandenburg
nehme damit einen Spitzenplatz im Bundesvergleich ein.
Nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Sven Petke,
beweist der Erfolg bei der Aufklärung, wie wichtig die Polizeireform war. Der
Chef der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Schuster, sagte, die
Arbeitsergebnisse seien nur unter erheblichem Einsatz der Kollegen erreicht
worden. Die Grenze des Machbaren sei erreicht. Über die bislang beschlossene
Streichung von 725 Stellen hinaus dürfe es keinen weiteren Personalabbau bei der
Polizei geben.
Erschreckend hohe Zahl
Einen erheblichen Zuwachs verzeichnet die märkische Polizei bei Fällen sexuellen
Missbrauchs an Kindern. Die Zahl dieser Delikte erhöhte sich von 177 im ersten
Halbjahr 2003 auf 253 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Schönbohm
betonte, die Zahl von Opfern im Kindesalter sei «erschreckend» hoch. In den
Jahren 2001 bis 2003 wurden 1285 Kinder Opfer von Misshandlungen - 26 Prozent
davon waren unter sechs Jahre alt. Bei Straftaten gegen die sexuelle
Selbstbestimmung waren 78,2 Prozent der Opfer jünger als 21 Jahre.
Vor diesem Hintergrund mahnte der Innenminister einen besseren Schutz von
Kindern vor Gewalt an. Dabei sei auch eine bessere Zusammenarbeit der Behörden
nötig. Impulse dafür solle eine Fachtagung des Landespräventionsrates
«Sicherheitsoffensive Brandenburg» im September bringen.
Besorgt äußerte sich Schönbohm über die Gewaltbereitschaft. Die
Gewaltkriminalität stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,9 Prozent auf 2669
Delikte. Vor allem Jugendliche treten dabei als Täter in Erscheinung. Der Anteil
der unter 21-Jährigen sei mit mehr als 50 Prozent «besorgniserregend und viel zu
hoch», sagte Schönbohm. Bei Raub liege der Anteil sogar bei mehr als 60 Prozent.
Schwerpunkt: Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität
Einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit sieht Schönbohm in der Bekämpfung der
Rauschgiftkriminalität. Im ersten Halbjahr wurden 3258 Delikte angezeigt - ein
Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Ansicht von Schuster muss das Land
mehr Geld für die Suchberatung und -vorbeugung ausgeben. Während Thüringen im
Jahr 2001 pro Einwohner 1,23 Euro bereitgestellt habe, seien es in Brandenburg
nur 0,37 Euro gewesen.
Die Polizei ermittelte im ersten Halbjahr insgesamt 49 075 Tatverdächtige. Das
waren 0,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Beschuldigten
unter 21 Jahre stieg von 32 auf 32,2 Prozent. Kinder, Jugendliche und
Heranwachsende wurden am häufigsten wegen Diebstahls, Raub, Sachbeschädigung,
Gewalt oder Rauschgiftdelikten angezeigt.
Den Anstieg der Gesamtkriminalität führt Schönbohm auf die Entwicklung bei der
Vermögens- und Fälschungskriminalität zurück. Dabei gab es einen Zuwachs um 10,7
Prozent auf 17 553 Fälle. Quelle
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21.06.2004
ARD-Videotext
WHO: Kinder
sterben durch Umweltmängeln.
Jedes Jahr sterben in Europa nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation
WHO mehr als 100.000 Kinder an Verletzungen, Luftverschmutzungen und unreinem
Wasser.
Damit führten diese drei Faktoren zu einem Drittel alles Todesfälle von Kindern
und Jugendlichen in Europa, hieß es in einem Bericht der WHO, der in der
medizinischen Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurde. Verkehrsunfälle,
Vergiftungen, Ertrinken und Brände seinen für 75.000 Tote verantwortlich.
13.500 Kinder von null bis vier Jahren stürben durch verschmutzte Außenwelt.
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2005
Kindesmisshandlungen in Berlin keine Einzelfälle
Berlin (ddp-bln).
Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen sowie hilflosen Erwachsenen sind
in Berlin Alltag. Der Polizei werden von Jahr zu Jahr immer mehr solcher
Fälle bekannt. Wurden vom zuständigen Kommissariat des Landeskriminalamtes
(LKA) 1994 insgesamt 260 Delikte bearbeitet, waren es im vergangenen Jahr
494 Taten, sagte heute LKA-Dezernatsleiter Michael Havemann. Allein von 2002
zu 2003 sei die Zahl der Fälle um ein Drittel gestiegen. Insgesamt waren in
den vergangenen zwei Jahren in Berlin sechs Kinder nach Misshandlungen
gestorben.
Die steigende Zahl der Fälle führte der Kriminaloberrat auf eine wachsende
Sensibilisierung der Öffentlichkeit insbesondere beim Thema häuslicher
Gewalt zurück. Dennoch gebe es nach wie vor ein «sehr großes Dunkelfeld».
Denn Schlagen, Quälen und Misshandeln von Schutzbefohlenen finde in der
Regel hinter verschlossenen Türen statt, betonte Havemann.
Diese Delikte zögen sich durch alle soziale Schichten, betonte der
Dezernatsleiter. So fügten Eltern, Pflege- oder Adoptiveltern ihren Kindern
seelische und körperliche Schmerzen zu. Aber auch in Altenpflegeheimen
bereiteten Pflegekräfte ihren Patienten Leid.
Bei den Tätern handelt es sich zu 57 Prozent um Männer und zu 43 Prozent um
Frauen. Oftmals seien diese als Kinder selbst misshandelt worden, sagte der
Kriminaloberrat. Dennoch sei das Unrechtsbewusstsein relativ gering
ausgeprägt. Nach Darstellung von Havemann sind zwei Drittel von ihnen
Wiederholungstäter. Quelle
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13.03.2004
Wehrlos - 424 Kinder wurden 2003 Opfer von
sexuellen Straftaten
Schwerin (ddp-nrd). In Mecklenburg-Vorpommern sind im
Vorjahr 424 Kinder Opfer von Sexualstraftaten geworden. Das waren sieben Kinder
mehr als 2002. Wie die «Ostseezeitung» berichtet, registrierte die Polizei 110
Jungen und 314 Mädchen als Missbrauchsopfer. Dass die Zahl der Straftaten gegen
Mädchen dreimal so hoch ist wie gegen Jungen, entspricht dem Bericht zufolge dem
Bundesdurchschnitt. In der Kriminalstatistik tauchen allerdings nur die Fälle
auf, die zur Anzeige gelangt sind. Das Innenministerium geht von einer viel
höheren Dunkelziffer aus.
Laut «Ostseezeitung» wurden 2003 insgesamt 892 Kinder und Jugendlichen Opfer von
Körperverletzungen. Die Zahlen seien im Vorjahresvergleich nahezu konstant
geblieben. 1999 lagen die erfassten Fälle demnach bei 1189 Opfern.
Quelle
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Auf Bundesebene wurden 2001 insgesamt 19.230 Kinder
Opfer des sexuellen Missbrauchs - i.S.d. §§ 176, 176a und 176b StGB.
Von den 18.178 Opfern waren
2.372 mit dem Tatverdächtigen verwandt
4.914 bekannt
bei 1.494 Opfern bestand eine flüchtige Vorbeziehung und
bei 8.748 keine Vorbeziehung.
Die Anzahl der angezeigten und in der PKS
ausgewiesenen Fälle des sexuellen Missbrauchs ist bezüglich des tatsächlichen
Ausmaßes nur begrenzt aussagefähig, da gerade in diesem Deliktsbereich die
Dunkelziffer hoch eingeschätzt werden muss. Das kindliche Opfer hat oftmals -
bedingt durch die nahe Beziehung zum Täter - nicht die Möglichkeit, auf den
Missbrauch aufmerksam zu machen bzw. sich dem Missbrauch zu entziehen.
Quelle
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Bayern
Über das tatsächliche Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Jungen und Mädchen
gibt es keine gesicherten Zahlen. In Bayern wurden im Jahr 2000 der sexuelle
Missbrauch von 2800 Kindern unter 14 Jahren angezeigt (bei 23,1 % der Opfer
handelte es sich um Exhibitionismus). Von den Opfern waren 2081 (74,3 %)
Mädchen. Täter sind bei Mädchen wie Jungen fast ausschließlich Männer. 763
Kindern war der Täter bekannt. Bei 387 Kindern war der Täter ein Verwandter. Das
Dunkelfeld dürfte gegenüber diesen Zahlen um ein Vielfaches höher sein.
Schätzungen gehen vom Drei- bis Zehnfachen der angezeigten Fälle aus.
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Berlin
Im Jahre 1998 wurden bei der Berliner Polizei
insgesamt 1 037 Vorgänge des sexuellen Missbrauchs von Kindern bearbeitet und an
die Staatsanwaltschaft abgegeben. Bei diesen 1 037 Straftaten gab es insgesamt 1
714 Opfer, von diesen Opfern waren 397 Jungen und 1 317 Mädchen. In rund 60 %
der Fälle bestand keine Vorbeziehung zwischen den Tätern und ihren Opfern.
Dieser hohe Anteil erklärt sich unter anderem dadurch, dass es sich in ca. 50 %
der Fälle um exhibitionistische Handlungen vor Kindern handelte. Zu diesen 1 037
Straftaten müssen noch weitere 142 Taten gezählt werden, bei denen es sich um
den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen Kindern handelt.
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Amnesty: Millionen Kinder täglich Opfer von
Misshandlungen
Paris, 15. November (AFP) - Zehn Jahre nach der
Verabschiedung der Kinderschutzkonvention der Vereinten Nationen werden weltweit
immer noch Millionen Kinder täglich Opfer körperlicher und seelischer
Misshandlungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty
International (ai) in einem am Montag in Paris veröffentlichten Bericht. Die von
fast allen Staaten ratifizierte UN-Konvention schreibt die Grundrechte von
Minderjährigen fest und untersagt ihre Ausbeutung und Misshandlung. Gegen die
Verletzungen der Konvention hat die Organisation zu einer Protestbriefkampagne
in der ganzen Welt aufgerufen.
Nach dem ai-Bericht werden jährlich an zwei Millionen Mädchen
Genitalverstümmelungen vorgenommen. Betroffen sind davon 29 Länder, vorwiegend
in Afrika und in Nahost. Millionen Kinder würden jährlich sexuell missbraucht.
Etwa 9000 Minderjährige werden dem Bericht zufolge jedes Jahr von einem gut
organisierten Mädchenhandel, der zwischen Nepal und Indien sowie zwischen
Bangladesch und Pakistan funktioniert, zur Prostitution gezwungen. Armut und
Elend zwängen 250 Millionen Kinder weltweit zur Arbeit als Hausangestellte, auf
Feldern, in Fabriken, Handwerksbetrieben oder auf Baustellen, kritisiert Amnesty
weiter.
Außerdem ermittelte die Organisation 100 Millionen Kinder, die sich auf der
Straße ihr Geld durch Bettelei oder kleine Arbeiten wie Schuhe putzen verdienen.
Zahlreiche Straßenkinder würden drogensüchtig oder Opfer von "sozialer
Säuberung" in Form von schweren Misshandlungen oder Morden. Die Verbrechen
werden der Organisation zufolge "fast völlig ungestraft" von Händlern, "der
Polizei oder anderen Behörden" in Ländern wie Brasilien, Guatemala, Uganda,
Indien, Nepal und Bangladesch verübt. Arme oder verelendete Kinder werden laut
Amnesty in zahlreichen Staaten wegen kleiner Vergehen - zumeist einfache
Diebstähle - festgenommen.
Nicht nur in Drittwelt- oder Schwellenländern säßen
Kinder hinter Gittern, sondern auch in den USA, Australien und Russland. Oft
seien die minderjährigen Gefangenen Demütigungen und Gewalt ausgesetzt. Obwohl
die UN-Kinderkonvention Todesstrafe für Minderjährige untersagt, wurden laut
Amnesty in den 90er Jahren 18 Kinder im Iran, in Nigeria, Pakistan, Jemen und
den USA hingerichtet. In Pakistan sitzen den Angaben zufolge 50 Kinder im
Todeszellen. In den USA warten 70 Gefangene auf ihre Hinrichtung für Taten, die
sie als Minderjährige begangen haben. © AFP
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Vom Jahr 2000 zu 2001...
...ist die Zahl der Fälle von
Kindesmissbrauch laut Statistik des Bundesinnenministeriums um drei Prozent
zurückgegangen. Das verleitet dazu, dem Problem weniger Aufmerksamkeit zu
schenken. Die Fälle der letzten Wochen belehren uns eines Besseren. Seit Jahren
stagniert die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder auf hohem Niveau: 2001
wurden insgesamt 15.117 Fälle erfasst, darunter einer mit Todesfolge. Darüber
hinaus haben Amts- oder Vertrauenspersonen ihre Stellung ausgenutzt und sich an
über 1.000 Kindern oder Schutzbefohlenen vergangen. Dies war gegenüber 2000 ein
Anstieg um 0,5 Prozent. Kinder sind auf ihrem langen Weg des Erwachsenwerdens
neben der elterlichen Liebe und Fürsorge, der Geborgenheit in der Familie auch
auf den Schutz, die Aufmerksamkeit und die Hilfe der Allgemeinheit angewiesen.
Der sexuelle Missbrauch von Kindern geschieht nicht
nur durch Fremde, sondern oftmals auch in der Familie, in der Verwandtschaft
oder im engeren Bekanntenkreis. Die Tathandlungen sind in ihrer Intensität sehr
unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von verbalen Belästigungen,
exhibitionistischen Handlungen bis hin zur Vergewaltigung. Eine besonders
schwere Form der sexuellen Ausbeutung ist die Kinderpornografie mit ihrer
weltweiten Verbreitung über das Internet. Je enger die Beziehungen zwischen
Täter und Opfer sind, je mehr das Machtgefälle zwischen Erwachsenem und Kind
ausgenutzt wird, um so nachhaltiger sind die Schäden für die körperliche und
seelische Entwicklung des kindlichen Opfers.
Sexueller Missbrauch ist meist kein einmaliger Ausrutscher, die Täter handeln
selten spontan, sondern geplant und organisiert. Sie suchen sich auch Berufe
oder Freizeitbeschäftigungen aus, bei denen sie Kontakt zu Kindern haben.
Manchmal werden Kinder über Jahre hinweg von einer Person missbraucht, wobei
sich die Intensität mit zunehmendem Alter des Opfers steigert. Ohne Intervention
von außen finden Kinder aus dieser Täter-Opfer-Beziehung keinen Ausweg. Deshalb
haben alle Erwachsenen - unabhängig von verwandtschaftlichen Beziehungen oder
vom Grad der Bekanntschaft - die Pflicht, hinzusehen und einzuschreiten, um
Kinder vor Gewalt und sexueller Ausbeutung zu schützen.
Selbstbewusste Kinder, die gelernt haben, dass ihre Gefühle auch von Erwachsenen
respektiert werden müssen, die selbst entscheiden dürfen, was sie zulassen
wollen oder nicht, sind besser gegen sexuelle Übergriffe geschützt als Kinder,
die verängstigt und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.
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